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Report aus dem Hörsaal

RCDS & Co. – Was hat euer Engagement gebracht?

Es ist doch nicht zu fassen.

Liebe RCDSler, liebe Fachschaftssprecher allgemein und dann noch lieber Herr Heubisch sowieso mal immer.

Könnt ihr mir mal erklären, warum ihr euch jetzt gegen die Kommilitonen wendet, die die Hörsäle besetzen?

Wenn euer Engagement in universitären Gremien so unheimlich viel bringt, wie konnte es dann zu dieser Bildungsreform kommen, die scheinbar in einem Vakuum durchgeführt wurde? Bologna wurde  auf den Universitätsbetrieb gestülpt, wo waren da die Stimmen und Beiträge, die die Umsetzung verbessert hätten?

Oder: Wie kann es sein, dass Studentensprecher etwa für die Abschaffung kostenloser Sprachkurse plädieren? Für welche Seite findet das Engagement der Fachschaften eigentlich statt? Oder ist der Einfluss eben doch zu gering? Dann solltet ihr erst recht mit für mehr Demokratie kämpfen.

Natürlich müssen die Studenten das demokratische Potenzial auch über die Hochschulwahlen nutzen. Die Fachschaften müssen ihre Profile deutlicher machen.

Außerdem: Wie sieht es mit dem Mitspracherecht bei Verteilung der Studiengebühren aus?

Zu wenig Geld?Keine Ahnung von Buchhaltung!

Und Herr Heubisch: Das Problem ist immer noch nicht das Geld. Die Studiengebühren werden an den Universitäten innerhalb der Lehrstühle verteilt und manche Lehrstühle wissen gar nicht wohin mit dem Geld. Während Geographiestudenten fast umsonst nach Island fahren und Geschichtsstudenten mit diversen Exkursionen zu Niedrigpreisen überschüttet werden, herrschen beispielsweise  an Lehrstühlen für Kommunikationswissenschaft und Journalistik Zustände wie an Weihnachten. Es gibt „Wunschlisten“ für Anschaffungen- dazu gehören zum Beispiel digitale Aufnahmegeräte. Nur ein paar, für alle Studenten langt es dann doch nicht. Von dem Geld bleibt trotzdem was übrig…ääh..Buchhaltung, erste Stunde?

Den bereits mit der Lehre überforderten Lehrstuhlinhabern und Mitarbeitern kann man kaum einen Vorwurf machen, dass sie keine adäquaten Budgetpläne erstellen können.

Wohin nur mit dem Geld?

Was wirklich fehlt ist von globalerer Natur: Plätze, Räume, ganze Gebäude..die sollen ja durch das Konjukturpaket II finanziert werden. Also, wozu nochmal die Studiengebühren?(Für die sich übrigens viele Studenten den Arsch aufreißen, entschuldigung, aber das muss mal so gesagt werden)

Kleiner Vorschlag und das geht jetzt an Herrn Heubisch und die Rektoren der Unis: In jedem Haushalt ist es so, dass zunächst festgelegt wird, was angeschafft werden muss. Wieviele Ausgaben gibt es? Dadurch ergibt sich der Betrag der Einnahmen, der notwendig ist, um die Kosten zu decken.

Offensichtlich werden die fixen Uni-Kosten gedeckt. Es herrscht ein völliger Überschuss. Wie ist das möglich?

Stoppt die Dalli-Dalli-Bildungspolitik

Vielleicht sollte endlich mal diese Dalli-Dalli-Politik aufhören. Rechtschreibreform, G 8, Bologna…alles sollte ganz schnell umgesetzt werden und ist gescheitert. Langsam reicht es.  Jedes Unternehmen würde bei solch einer Strategie den Bach runtergehen. Jeder Leiter eines Kompetenzteams wäre längst rausgeflogen. Ökonomosierung des Studiums? Wenden wir doch mal bei den „Machern“ das kapitalistische Prinzip an.

Es geht hier immerhin um die Bildung, eine von der Kanzlerin so hochangepriesene Ressource.

Anwesenheitslisten abschaffen? – Wir haben andere Probleme

Die Studenten sollten die Aufmerksamkeit nutzen, es ist wirklich toll, dass das erreicht wurde. Aber bitte konzentriert euch doch nicht auf Dinge wie Anwesenheitslisten. Forderungen wie eben deren Abschaffung nehmen der Diskussion ihre Ernsthaftigkeit.

Wichtig ist: Mehr Mitspracherecht in der Hochschulpolitik,  Transparenz der Finanzen und mindestens eine Reduzierung der Studiengebühren sowie deren sinnvolle Verteilung.

Wenn vernünftige Investitionen zur Verbesserung der Bildung erkennbar sind, werden mehr Studenten auch bereit sein, für die Studiengebühren zu arbeiten. 500 Euro pro Semester sind aber definitiv zu viel.  Momentan vernachlässigen viele ihr Studium, um sich dieses überhaupt finanzieren zu können. Das kann nicht der Sinn der Sache sein. Und wenn sie dann noch hören, wieviel von ihrem Geld zurückgegeben wird, ist der Frust mehr als nachvollziehbar.

Was Bologna angeht…mit Reformen von Reformen kennen wir uns in Deutschland ja mittlerweile aus.

Die Studenten wollen notfalls bis Weihnachten protestieren..vielleicht gibt es dann endlich mal wieder für sie ein Geschenk.