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Deutschland im Herbst

Wochenrückblick – Gedankenschweif

Schokoladenmauer

Licht der Freude

Weggedrückt

Am Montag erinnerten wir uns an die unglaubliche Kraft, die die Menschen im Osten damals 1989 antrieb. Welche Energien freigesetzt wurden, die die in Beton gegossene Kälte des Kalten Krieges schließlich Stein um Stein aufbrach . Der Weg, der in den Trümmern des 2. Weltkrieges angefangen hatte, wurde in den Trümmern eines Menschen verachtenden sozialistischen Regimes beendet. Deutschland war wiedervereinigt. An diesem Montag waren diese Trümmer ganz leicht, Dominosteine hintereiandergereiht, eher dekorativ vor dem Brandenburger Tor postiert.

Die Bürger der DDR kämpften um ihre  Freiheit, gegen die Unterdrückung durch eine Elite. Der Druck kam von oben, die unten haben sich Luft gemacht und die starren Netze der internationalen Diplomatie und gegenseitigen politischen Einschätzung durchbrochen. Selbst Menschen, die damals nicht direkt dabei waren, spürten die Befreiung, den Hauch der unbegrenzten Möglichkeiten, die unbändige Freude. Im letzten Nuller Jahr wurden wir alle nochmal Zeuge dieser fantastischen Energie. Zeugen mit leicht verschwommenem Blick, da selbst die Härtesten eine klitzekleine Träne in den Augen hatten.

Niedergedrückt

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Lichter der Trauer - Quelle: tagesschau.de

Am Mittwoch ziemlich genau das gleiche Bild. Tausend Kerzen, Menschen, die schwer ihre Fassung bewahren konnten oder es gar nicht erst versuchten.  Selbst Darstellungs-Künstler wie Oliver Bierhoff oder Pocher ließen ihre breitgrinsenden Masken gleich zu Hause. Diesmal wurde die Nation Zeuge davon, dass ein junger erfolgreicher Mensch namens Robert Enke unter dem Druck des Spitzensports zerbrochen ist.

In „Depression“ steckt das lateinische Wort für Druck, „deprimiert“ bedeutet „niedergedrückt“. Robert Enke wurde niedergedrückt. Von den Erwartungen, die man an ihn stellte, vor allem aber wohl von den Erwartungen, die er an sich selbst stellte. Einer der vielen Kommentatoren im Fall Enke berichtete, dass es für den Keeper keinen Unterschied machte, ob er erfuhr, dass er als Nummer 1 im Nationalkader nominiert wurde  oder ob seine Frau ihm sagte, dass er Brötchen holen sollte. Die Gefühle waren  alle gleichwertig.  Wie kann es soweit kommen?

Freude ist die Essenz des Erfolges

Eine indische Weisheit besagt: Freude ist die Essenz des Erfolges. Ohne Lust und Spaß an dem, was man macht, wird man nicht erfolgreich. Aber Enke war erfolgreich..aber ist Erfolg auch gleich Glück? Oder ist Erfolg ohne Freude nur, dass man das Beste aus sich herausholen konnte? Wie eine Maschine? Kann Erfolg nur in Verbindung mit Freude dauerhaft bestehen?

Natürlich kann man den tragischen Tod Robert Enkes nicht als Beispiel par ecxellence für Leistungsdruck nehmen. Denn Depression ist eine Krankheit und hat sie erst die Oberhand über den menschlichen Geist, sind rationale Gedankengänge nicht mehr möglich. Das Gefühl der Niedergeschlagenheit breitet sich in jeder Faser des Körpers aus. Es ist, als würde man in einem Sumpf versinken. Je stärker man strampelt, desto schneller versinkt man. Ohne Hilfe kommt man nicht hinaus.

Dennoch ist Enkes Tod ein Anlass, über Leistungsdruck, Erfolg und den erfolgreichen Menschen an sich zu reden. Die Tatsache, dass Versagensänsgte nicht thematisiert werden können und emotionale Coolness zu einer erwünschten Attitüde in der modernen Gesellschaft gehört, bringt den Verdacht nah, dass Menschen zu einem großen Teil über ihr Äußeres definiert werden. Mit Äußerem ist das gemeint, was in Form eines Dokumentes belegt werden kann. Der Lebenslauf in etwa….Ein erfolgreicher und glücklicher Mensch ist in der gesellschaftlichen Vorstellung einer, der mit Zeugnissen und anderen Papieren belegen kann, warum er erfolgreich und glücklich ist. Ganz schnell, möglichst jung, viel erreicht haben…

Reingedrückt

Und wer sich jetzt fragt, was zur Hölle eigentlich, mal von dem Aktualitätskriterium in der vergangenen Woche abgesehen, die beiden Ereignisse miteinander zu tun haben, der erhält als Antwort ein weiteres Ereignis der vergangenen Woche:

Studenten besetzen die Hörsäle, sie kämpfen gegen die Ökonomisierung des Studiums und für die Bildungsfreiheit. „Deutschland im Herbst“  in der Version 2009. Es wird aufbegehrt, wenn auch bis jetzt und hoffentlich auch weiterhin nicht gewaltätig. Es sei denn, man möchte die Mambo-Weltrekordsversuche der Wiener-Studenten als Körperverletzung oder Nötigung im weitesten Sinne bezeichnen.

Die Studierenden wehren sich unter anderem gegen die Bachelor/Master-Ordnung.  Die sehr jungen Abiturienten werden in die Bachelor-Fabrik reingedrückt. Auf dem Produktionsband werden ihnen einheitliche Bildungspakete a la Gymnasial-Lehrplan zugeworfen – friss oder stirb- und am Ende kommen alle immer noch jung und gleich heraus. Hauptsache aber immer noch jung…

Studiengänge werden in wichtig und unwichtig für die Wirtschaft gegliedert, relevant oder nicht relevant für die Gesellschaft. Elite erwünscht, der Rest zahlt wenigstens. Studenten gehören entweder zu Leistungsträgern oder zu Schmarotzern…

Außerdem fordern die Fachschaften seit geraumer Zeit (mehr) Mitsprachrecht in der Hochschulpolitik.

D E M O K R A T I S I E R U N G 2K.

Zugegeben sehr zugespitzt formuliert, wird in der Bildung etwas gemacht, was zum 20-jährigen Jubiläum des 9.November 1989 von allen Politikern als untragbar und unbedingt nie mehr zulassbar deklariert wurde: die Entmündigung des Volkes.

Sichtbare Grenzen gibt es europaweit kaum mehr. Es ist Zeit, auch die unsichtbaren zu durchbrechen. Wir sind das Volk!

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Quelle: Tagesschau.de

Am 17.November wird wieder gestreikt.



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