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Brötchen für Studenten

Bamberger Studentenprotest

Ortsbegehung: Besetzter Hörsaal an der U7 in Bamberg.

Man erwartet übermüdete junge Menschen mit Augenringen, blass und hungrig.

Es bietet sich aber ein völlig anderes Bild auf dem Vorhof des Universitätsgeländes in der Innenstadt in Bamberg.  Umrahmt von Transparenten und Plakaten stehen zwei Jungs am Grill und versorgen ihre Kommilitonen mit Würstchen. Brötchen wurden von den Bäckereien um die Uni herum gespendet. Obst haben die Marktfrauen vorbei gebracht.

Überall stehen kleine Grüppchen draußen, man gönnt sich eine kleine Pause, atmet etwas frische Luft bevor das Plenum wieder zusammentritt und fängt dabei Leute ab, die möglichst unbeteiligt an den Streikenden vorbeigehen wollen. Es soll diskutiert werden.

Wieso bist du nicht oben im Saal und protestierst mit uns? Wenn nicht jetzt, wann dann, ist ein geflügelter Satz in diesen Tagen. Es werden Argumente ausgetauscht, dabei geht es um Kleinigkeiten, im Kern der Sache sind sich irgendwie alle einig. Der Student im feinen Wollmantel, der etwas mißtrauisch die Schlafsäcke beäugt, die ins Gebäude geschleppt werden, steht neben dem rothaarigen Bärtigen im gestreiften Pulli und zerissenen Jeans und gibt ihm völlig Recht, dass Bologna ein Schmarrn ist und die Studiengebühren nicht tragbar sind. Uneinigkeit herrscht aber darin, jetzt sämtliche Forderungen, die sich bei den Studenten in den letzten Jahren so angesammelt haben, mit auf den Tisch zu legen.

Macht etwa ein Arbeitskreis zur Wohnsituation in Bamberg momentan Sinn? Vor allem, weil erst die Schaffung neuer Wohnheimsplätze festgelegt wurde.Außerdem spielen in Bamberg die Archäologie-Studenten eine große Rolle, die es in letzter Zeit  wirklich hart  getroffen hatte, allerdings nicht wegen Bologna&Co. Sie wollen die Gelegenheit nutzen, auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Im letzten Semester konnten zeitweise keine Veranstaltungen mehr in ihrem Fach stattfinden, da das Gebäude akut Einsturz gefährdet war. Die größte Ironie an der Sache: In diesem Gebäude war zudem das Institut der Bauforscher ansäßig, die auf die Mängel hingewiesen hatten. Von offizieller Seite wurden die Bedenken aber immer abgeschmettert. Der jetzige Streik wird als Ventil für die Wut benutzt. Jeder möchte sein Anliegen miteinbringen.

Besser wäre es aber, sich auf eine Sache zu konzentrieren.Die Studenten sollten sich in den Kernforderungen mit den anderen Unis abstimmen. Ein guter Anfang war der Besuch einer Bamberger Delegation heute in München. Alle Probleme, die sich auf eine bestimmte Uni beziehen und nur lokal geklärt werden können, sollten hintenangestellt werden. Aufmerksamkeit zu erreichen ist in jedem Fall gut, aber die Gefahr, dass bei zu vielen speziellen Forderungen das eigentliche Problem aus dem Blick gerät, oder kleine „Geschenke“ seitens der Unileitungen benutzt werden, um die Studenten ruhig zu halten und den öffentlichen Druck herauszunehmen, ist zu groß.

Einer der Grill-Jungs ruft die anderen dazu auf, langsam wieder in den Saal zurückzukehren. Es ist kurz vor sechs, die Plenumssitzung wird gleich beginnen. Morgen werden Bands auftreten und ein Kabarett-Duo, im Hörsaal ist vor der weißen Leinwand,auf  die normal Vorlesungsstoff projiziert wird, eine Bühne aufgebaut. Der Arbeitskreis Logistik macht einen guten Job.

Der bärtige Rothaarige ist froh über Abwechslung, immerhin ist er seit Beginn des Streiks dabei und wird morgen die fünfte Nacht im Hörsaal verbringen. Außerdem tut die offensichtliche Unterstützung von außen gut. Aber wer jetzt den Vorwurf erhebt, das sei alles nur ein alternativer Zeitvertreib für linksorientiere Schmarotzer, die sich ein bißchen gegen das Establishment auflehnen, dem soll gesagt sein, dass eine unerwartete Disziplin unter den Streikenden herrscht. Um Punkt sechs Uhr ist der Vorhof der U7 leer. Im Gebäude wird weiter diskutiert.

 

 

 

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