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Who stopped the train?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Inspiriert von SZ, 3.11.09, S.1 und S.4: Bahn bietet Öko-Tickets an

Ticker: +++Gegen Aufpreis bekommt man eine Bahnfahrt mit regenerativer Energie+++Das Angebot der Öko-Tickets  richtet sich vor allem an Geschäftsleute+++

Auf die Bahn zu schimpfen ist so ein bißchen wie über schlechtes Wetter zu meckern. Man wird mit Sicherheit Zustimmung bekommen, gleichzeitig vernimmt man aber eine offensichtliche Resignation bei seinem Gegenüber. Was soll man denn machen?

So ganz stimmt dieses Bild aber dann doch nicht. Who’ll stop the rain…Niemand.

Aber man kann sehr wohl eben nicht Bahn fahren. Selbst der umweltbewussteste Pendler wird bei Verspätungswahrscheinlichkeiten von bis zu 100 Prozent im Regionalverkehr und völlig überfüllten Zügen bei beliebten Verbindungen gerne auf sein Auto umsteigen.

Rückwärts aus dem Zug gefallen

Das Mädchen, das neulich Freitag nachmittags in den total überfüllten RE von Nürnberg nach München wollte und rückwärts aus der Tür auf den Bahnsteig gefallen ist, wird beim nächsten Mal sogar lieber im Stau auf der A9 stehen. Das Pärchen, das schon knapp dran war, aufgrund der Verspätung des vorherigen Zuges von Bamberg nach Nürnberg, das einfach nicht mehr in den Zug kam, wird sich beim nächsten Mal eine andere Alternative überlegen. Mitfahrzentrale etwa…

Vor allem weil sie dann im Reisezenter nicht mal ihr Bayernticket aufwerten konnten, um dann mit dem ICE wenigstens noch einigermaßen pünktlich in München anzukommen. Sie hatten nur die Möglichkeit, zwei Stunden auf den nächsten Nahverkehrs-Zug zu warten oder den vollen ICE-Preis zu bezahlen. Insgesamt wären das dann 120 Euro, plus Bayernticket, das wertlos würde, also 140 Euro für zwei Personen und über 4,5 Stunden Bamberg-München.

Feststehende Termine und Regionalverkehr passen überhaupt nicht zusammen. Der Regionalverkehr bei der Bahn ist kein zuverlässiges und vor allem kein flexibles Transportmittel. Der Kauf von Ländertickets für die Regionalbahnen gleicht einem Loskauf…werde ich pünktlich da sein? Bekomme ich meine Anschlüsse?

Die ICEs dagegen: toll. Komfortabel, meistens  zuverlässig und ein wirklich angenehmes Reisen. Ein wirklich guter Schritt sind durchaus auch die 29-Euro-Tickets. Aber eben nur für längerfristige Planung. Und diese Reisen gehören eher weniger zum alltäglichen Verkehr.

Immer überfüllt – nie aufgestockt

Hat Pro-Bahn und Co. nicht mal versucht gerade die Pendler auf die Bahn umzusatteln? Das wäre auch wirklich öko…die Menschen, die sich tagtäglich auf den Autobahnen befinden, gebündelt in die Züge verfrachten. Wie aber soll das funktionieren, wenn man sich auf nix verlassen kann. Vor allem, wenn wirklich gute Regionalverbindungen wie etwa die von Nürnberg nach München Freitag Nachmittag nicht Waggon-technisch aufgestockt werden, obwohl sie immer überfüllt sind?

Ganz ehrlich: Umweltbewusstsein ja, aber sich das nach einer langen Woche, möglicherweise noch getrennt von der Familie, anzutun, nein. Niemand möchte das Wochenende mit einer Fahrt beginnen, die vom Platzkomfort her an eine zweistündige U-Bahnfahrt vom Münchner Olympiapark Richtung City nach einem Bayern-Spiel erinnert. Nur ohne Hüpfen…

Und wenn man einen Bahn-Mitarbeiter am Gleis fragt, kommt die Antwort: „Der Zug ist die ganze Woche leer, nur freitags platzt er aus allen Nähten“.  Eine Argumentation à la „Verspätung wegen Streckenauslastung“. Ist es denn logistisch tatsächlich nicht möglich an einem Tag in der Woche einen Waggon dranzuhängen?Kaum vorstellbar bei einem Logistik-Unternehmen, das sogar die Stromquelle „switchen kann“…zumindest was den Betrag angeht.

Und weil es die ganze Zeit im Raum stand: Ja, auch Autofahren ist nicht berechenbar, die Rush-Hour bietet ähnliches Stresspotenzial wie der nun oft zitierte RE Nürnberg-München am Freitag-Nachmittag.

Spielende Kinder auf dem Gleis

Aber da sind wir wieder bei dem Bild am Anfang: Denn sitzt man mal im Zug, ist es wie mit dem Regen. Irgendwo zwischen Nürnberg und Treuchtlingen ist man den Gewalten der Schiene ausgeliefert. Zugüberholungen, Personenschäden, spielende Kinder auf dem Gleis (tatsächlich durchgesagt worden) und technische Schäden..who stopped the train?  Und der Zeiger auf der Uhr schreitet voran und voran…Handy-Akkus verabschieden sich in solchen Situationen sowieso grundsätzlich.

In meinem kleinen Auto, so wird der geneigte Pendler denken, gibt es immer noch ein Navi, Staunachrichten, etc. Und die Strecke kenn ich sowieso wie meine Westentasche. Und wenn alles nicht funktioniert, so habe ich wenigstens eins: einen Sitzplatz!





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