Nicht-wählen wählen

Inspiriert durch Artikel in SZ und „Menschen bei Maischberger“ gestern

Ticker: Aufruf zum Nichtwählen als Protest gegen Wahlkampf-Politik

In einer Demokratie haben die Menschen zwei Möglichkeiten zur politischen Partizipation. Die indirekte ist die öffentliche Diskussion beziehungsweise Meinung, in der Regel durch die Medien transportiert, die direkte ist die Wahlfreiheit. Am 27. September hat jeder von uns die Möglichkeit, seine eigene Meinung zu vertreten. Und das ist nicht nur eine Möglichkeit, sondern auch die Pflicht der Bürger in einem demokratischen Staat. Wer diese Pflicht nicht erfüllt, kann sich nicht darüber beschweren, dass die Politiker ihren Pflichten nicht nachkommen.

Hitler ist nicht durch eine zu hohe Wahlbeteiligung an die Macht gekommen

Zum Hauptargument der Nicht-Wähler-Bewegung gehört, dass eine niedrige Wahlbeteiligung noch keinem Staat geschadet hat, allerdings eine zu hohe wie damals bei der NSDAP. Das ist so aber nicht richtig. Hitler konnte die Macht übernehmen und eine Dikatatur errichten, weil das gesetzliche Fundament noch Lücken hatte. Notstandsgesetzgebung ist das STichwort. Heute hätte eine zu hohe Wahlbeteiligung keine derartigen Konsequenzen. Durch das Mehrheitswahlrecht hätte dann zwar eine Partei enorme gestalterische Freiheiten, aber die müssten zumindest insofern der Bevölkerungsmeinung entsprechen, dass die Partei nach vier Jahren wiedergewählt würde. Das ist Demokratie und die sollte gepflegt werden.

Ein anderes Argument ist, dass Wählen wie Lottospielen geworden ist. Man macht sein Kreuz, weiß aber nicht was man bekommt, geschweige denn, ob es ein Gewinn wird. Zugegeben, Wahlversprechen-Brechen ist nicht erst seit Ypsilanti in Hessen ein Problem und auch nicht zu entschuldigen. Die Parteien dürfen das Vertrauen ihrer Wähler nicht mißbrauchen. Aber sollte nicht gerade dann die Wahl ein  Mittel zur Abstrafung sein? Das Signal des Volkes: so nicht! Eine andere Partei wählen macht das deutlicher als nicht zu wählen.

Es muss ein Konsens gefunden werden – das ist Demokratie

Und ja, natürlich werden Wahlversprechen nicht nur gebrochen, sondern auch nicht eingehalten. Wenn man zur Wahl geht, entscheidet man sich für ein Parteiprogramm, das seinen Interessen entspricht und erwartet somit, dass diese auch umgesetzt werden. So sieht das auch derjenige, der vor einem in der Wahlkabine war und die gegnerische Partei gewählt hat. Beide Interessen müssen in einer Demokratie berücksichtigt werden und das geht nur über den Konsens. Das der nicht immer die Wünsche jedes Einzelnen komplett erfüllen kann, dürfte auch klar sein. Wichtig ist aber, dass überhaupt die Interessen des Volkes ersichtlich werden. Nur so kann annähernd eine repräsentative ENtscheidung getroffen werden.

Was wäre denn, wenn die Interessen der extremen Rechten überwiegen, ohne Gegengewicht? Oder einer anderen extremen Partei? Genau das kann passieren, wenn die Wahlbeteiligung zu niedrig ist. Denn es ist davon auszugehen, dass die Anhänger von extremen Parteien ihr Wahlrecht beanpsruchen, um ihre extremen Positionen durchzusetzen. Übrigens: vor allem dann, wenn sie mitkriegen, dass es einen großen Anteil Nicht-Wähler geben könnte.

In dieser Diskussion überhaupt liegt eine große Gefahr. Denn die reflektierten und bewussten Nicht-Wähler sind die eine Sache, aber was ist mit den viel zitierten „faulen“ Wählern, denen das nur eine willkommene Entschuldigung und Rechtfertigung ist, am kommenden Sonntag lieber was Schönes zu unternehmen? Sind ja schließlich nicht die einzigen und Sinn hat diese Wahl ja sowieso keinen, was man so hört.

Die Pflicht zur Wahl zu gehen sollte nicht in Frage gestellt werden, auch wenn die Politik es einem manchmal schwer macht, an die Partizipation zu glauben. Das Wichtigste ist, dass es überhaupt die Möglichkeit gibt zu wählen. Denn auch wenn die Mühlen der Demokratie manchmal langsam laufen und politische Entscheidungen scheinbar unendlich herauszögern, ist diese Form immer noch die einzig Wahre. Das sollten wir ,gerade wenn wir 60 Jahre zurückdenken, auf keinen Fall vergessen.

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Zivilcourage für Anfänger

Anlässlich des Artikels „Unter diesem Himmel“, SZ, S.3, Freitag, 18.September, sechs Tage nach dem Mord von Solln

Der Abschnitt über die Zivilcourage ist irgendwie zu kurz gekommen. Man kann es nicht oft genug sagen.

Bevor der Kurs beginnt: Stellt euch vor, dass wäre euer Vater/Sohn/Onkel/Nachbar/Freund/Verwandter gewesen, der da letzten Samstag am Boden auf dem Bahnsteig in Solln lag und an seinen inneren Verletzungen gestorben ist.War er ja nicht? Was wenn er es das nächste Mal ist? Wie sollten sich die „Zeugen“ verhalten?

1. „Ich kenn den doch gar nicht“

Nach einer Theorie kennt man jeden Menschen in dieser Welt über maximal sieben Ecken. Es gibt keinen Menschen, vor allem kein Menschenleben, das uns nichts angeht.

Wegschauen? Auf der Autobahn glotzt ihr doch auch so gerne, wenn ein Unfall passiert ist. Oder wo kommen sonst die Staus auf der Gegenfahrbahn her? Interessiert es euch da, ob ihr das Opfer kennt?

Im Internet könnt ihr gar nicht genug Menschen eure Freunde nennen, selbst wenn ihr nicht mal ihren richtigen Namen kennt. Ihr chattet stundenlang mit jemandem, der eine völlig andere Person sein könnte, und in der Realität könnt ihr euch einreden: Der geht mich nix an!

2. Was kann ich allein schon ausrichten?Das hat man ja bei Dominik Brunner gesehen!

Zunächst einmal ist der Mut zu würdigen, den Dominik Brunner an den Tag gelegt hat. Und jedem, der diesen Vorfall als Entschuldigung für sein eigenes Nix-Tun benutzt, ist zu wünschen, dass ihm das nie selbst passiert. Und wenn doch: dass dann viele Menschen anwesend sind, die sich das Verhalten von Dominik Brunner zum Vorbild nehmen und IRGENDETWAS tun.

Denn genau darum geht es doch: IRGENDETWAS tun. Es gab um die 15 Augenzeugen. Was war mit denen los?

Es ist davon auszugehen, dass allein vier Personen genügt hätten, um zwei Jugendliche zurückzuhalten.Zur Not hätte aus der Entfernung schreien geholfen. So blöd das klingt: Act Crazy! Unerwartetes Verhalten kann Täter irritieren: Am leichtesten ist nunmal lautes Schreien!

Man sollte die Menschen um einen herum ansprechen und mit diesen gemeinsam den Jugendlichen mitteilen, dass die Polizei verständigt ist und gleich vor Ort sein wird. Das kann man auch aus einiger Entfernung tun. Aber wer weiß: Vielleicht wäre genau die kurze Zeit Ablenkung nötig gewesen, um den tödlichen Tritt zu verhindern. Ein geschlossenes Auftreten wirkt abschreckend.

Außerdem bleibt da immer noch: Handy raus, Polizei und Krankenwagen anrufen! Das ist das Mindeste!

3. Die Notrufsäule war kaputt. Ich habe kein Handy.

Fragen!

Kann jemand die Polizei rufen? Hat jemand schon die Polizei gerufen?

Wenn man öfters in der S-Bahn fährt, kommt einem diese Ausrede am lächerlichsten vor.

Denn das ist doch schon der KLassiker: Klingelton hier, Jamba dort, Dinge,die man von seinem Sitznachbarn nie erfahren wollte…

4. Ich habe ja gar nicht gesehen, was da vorgeht!

Ein Mann liegt am Boden und andere treten auf ihn ein. Muss man dazu wirklich mehr sagen?

Und sollte die Situation unklar sein, gilt wieder: aus der Entfernung kann man das vermeintliche Opfer mal rufen: Ist alles okay bei Ihnen? Die Reaktion müsste schon einiges zeigen. Weitere Alternative: weitergehen und dann aus größerer Distanz die Situation beobachten. Sobald es zu Gewalt kommt, die in 2 aufgeführten Schritte anwenden:Polizei und Krankenwagen rufen, Leute um sich herum ansprechen und gesammelt näher an den Ort des Geschehens gehen und versuchen in Kontakt zu treten.

5. Da waren andere viel näher dran als ich!

Und, tun die was? Oder gucken die weg?

Hingehen! Reden! Aufrütteln!

Oft reicht es, wenn einer den ersten Schritt macht! Das ist dann wie ein Schneeballsystem!

6. Ich wollte nix Falsches machen!

In diesem konkreten Fall von Solln: Was genau hätte man tun können, das den Ausgang noch verschlimmert hätte? Das Opfer ist tot. Unter der Voraussetzung, das man sich nicht selbst in Gefahr begibt, was hätte man falsch machen können?

7. Welche andere Ausrede auch immer

Es ist davon auszugehen, dass die Menschen, die dort am letzten Samstag in Solln waren, ihr ganzes Leben daran erinnert werden, dass sie einen Menschen mit auf dem Gewissen haben.Wer sich sicher sein kann, alles Nötige versucht zu haben, wird mit so einem Erlebnis normal weiter leben können. Außerdem: Beim nächsten Mal könnte man es selbst sein!

Wer nichts tut, wird Mittäter! Das sollte einem bewusst sein.

Dominik Brunner hat alles richtig gemacht. Nur ist er vermutlich davon ausgegangen, dass mehrere Menschen auf dieser Welt so couragiert sind wie er und hat sich deswegen sicher gefühlt, nicht allein, am hellichten Tag. .

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Lästern ist angesagt

Inspiriert von der visuellen  Hassliste auf sueddeutsche.de, Bilder auch davon geklaut;-)

Ticker: Bilder reichen nicht – LÄSTERN ist angesagt

Es ist doch irgendwie immer das Gleiche.

Ein neuer Trend!Waaaa…alle rennen los und essen es, trinken es,ziehen es an, gucken es, sprechen über es…in der Regel aber auf jeden Fall immer:

KAUFEN ES!

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Du noch nicht?

Es ist ja soo toll…innovativ ..cool..sinnlos, aber soooo süss….bequem…

praktisch…whatever

Und ganz toll ist es, wenn es die anderen noch nicht kennen. Wenn sich der hinter mir in der Schlange fragt:

Was zur Hölle wird da bestellt?

D s ch ei-Latte-to-go???? Ei, Latte, Igitt!

Um dann kurz darauf zu erkennen , wie furchtbar er doch dem Trend hinterherhinkt, da der hinter ihm auch eine

Dschei-Latte-to-go-spicy-flavored bestellt!

Da hilft nur:

Nerd-Brille auf und: Das muss ich mal Googeln. Muss furchtbar 2001 sein, wenn ich das nicht kenne.

Aber wieso wollen wir es alle, um dann zu sagen, dass wir es furchtbar finden?

Oder besitzen wir es gar nicht und sind nur die Trend 2.0-Gruppe, 2.0 wird auch absolut überstrapaziert,  die dann unheimlich cool ist, weil sie diese Crocs niemals angezogen hätte?

Ich bitte dich. Noch ein Eimer und ne Harke in die Hand und ich kann mich als Gartenzwerg in den Vorgarten meines Nachbarn stellen, tssss…Crocs.

Krokodil nur als Handtasche…Hahahahahaa. Seit wann ist praktisch en vogue? Ist ja wohl eher en Sofa!

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Das würde bedeuten, es gibt eine Gruppe, die sogenannte Werbezielgruppe, die eifrig konsumiert, um dann irgendwann blöd dazustehen mit ihren Crocs, der Nerd-Brille und einer Chai-Latte-to-go in der Hand.

Und die andere Gruppe, die vermutlich mehr Wert auf gute Bücher legt oder so, die dann irgendwann behaupten kann, sie wäre retro und somit wieder furchtbar „in“.

Dazwischen sind auch noch die, die erstmal alles blöd finden, sich dann aber doch fügen. Sozusagen die Trend-Schläfer. Die kaufen sich die Sachen dann wenn sie billiger sind, nur um dann zu sagen:

Nee, den normalen Preis hätte ich dafür natürlich nicht gezahlt.

Vielleicht doch mehr die Trend-Weicheier.

Aber keine Hassliste ohne Hass. Da wären wir bei Ed Hardy.  Ed Hardy kills my Augenlicht, wie es in der Studi-VZ-Gruppe heißt. Neeeiin, das ist kein Neid, weil ich mir diese geschmackvollen 200-Euro-Shirts und Käppis nicht leisten kann. Wenn ich 200-Euro übrig hätte, würde ich mir lieber ein Lukas-Podolski-Konterfei auf den Rücken tätowieren lassen, als diese unglaublich hässlichen Motive so nah an meinem Körper zu tragen!

Außerdem erinnert mich dieser Name immer an Eis. Ed von Schleck…und da sind wir doch auch schon wieder bei einer

der Haupts300Getty-Ed-Hardy-1251722703upporterinnen von Christian Audigier…da Paris Hilton…sucks…

Ich frage mich schon lange, ob die völlige Überlagerung von schrillen Motiven auf kreischenden Mustern auf das Denkvermögen Einfluss hat. Ich meine, bis ich die gesamte Geschmacklosigkeit mit meinem Sehnerv erfasst und es dann an mein zentrales Nervensystem weitergegeben hab…natürlich hat mein Hirn da keinerlei Kapazitäten mehr frei. Ed Hardy hat das erkannt und versucht nun verzweifelt so schnell wie möglich wirklich jedem erdenklichenen  Gegenstand sein Dessin zu verpassen, damit er endlich wieder mit der Menschheit auf einer Wellenlänge ist.

G o o o oo od Mo o o Go o od Mooo orn…Go o od Mo ornin`! My ..my nam..my name is Ed!

Ni ..nice.. to ..to m e e ..to meet..yo ..yo..you, Ed!

Aber ist Neid vielleicht das Stichwort? Teilen Trends nicht auch immer die Menschen in die, die es tragen können…LEGGINGS…und die, die es nicht tragen oder vielleicht auch nicht finanzieren können? Und Leggings kann nicht jeder tragen..vielleicht in der Einkaufstasche mit sich rum…aber nicht als Beingewand..in manchen Fällen dann auch Beingewinde. Vielleicht schürt das den Hass.

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Umso schöner wenn er dann endlich raus kann. Lästern wird wohl nie aus der Mode kommen, solange die Mode so wichtig ist.

Übrigens ich füge noch etwas hinzu, was ich nicht mehr sehen kann:

Dünne schwarze Krawatten, die sagen sollen: Mann bin ich nonkonform, jugendlich und kreativ!

Popelstudiengang, der

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Quelle:planet-host.de

Popelstudiengang,der –

Als Popelstudiengang bezeichnet man gerne Studiengänge der Geisteswissenschaften. Diese Studiengänge zeichnen sich dadurch aus, dass sie einem am Ende keine konkrete Berufsbezeichnung bringen (Taxifahrer zählt nicht). Die Inhalte eines Popelstudienganges bereiten einen nicht auf einen konkreten Beruf vor.

Popel-Studenten beschäftigen sich mit geistigen Inhalten, die Material für wissenschaftliche Kontroversen liefern. Die Ergebnisse dieser Kontroversen sind nicht im objektiven Sinne überprüfbar, sondern basieren auf wissenschaftlicher Analys von Sekundärliteratur und Quellen.

Die Inhalte finden in der alltäglichen Praxis in der Regel keine Verwendung. Nutzen und Aufwand-Rechnungen sollte man bei diesen Studiengängen nicht in den Vordergrund stellen.

Woran erkenn ich, dass ich einen Popelstudiengang gewählt habe?

Meine Antort auf die Frage, was ich studiere, wird mit einem „Aahh,jaa, …interessant“ quittiert. Wahlweise auch ein „Was man nicht so alles studieren kann“.

Typische Fragen, mit denen Popelstudenten konfrontiert werden:

  • Und was willst du damit später mal machen?
  • Gibt es da irgendwelche Jobchancen?
  • Solltest du da nicht vielleicht besser noch Lehramt dranhängen?
  • Ist dir das nicht ein bißchen zu unsicher. Ich meine, willst du nicht mal auch Geld verdienen?
  • Für was braucht man das so?

Gern erzählter Witz über Popelstudiengang-Absolventen:

Was sagt ein Popelstudiengang-Absolvent Jahre später zu seinem Professor?

„Pommes oder Mayo“

Lässt sich auch beliebig ausbauen. Etwa Alternativpointe:

„Wohin darf ich Sie fahren?“

Mögliche Berufsaussichten:

  • TaxifahrerIn
  • BedienungIn
  • VerkäuferIn
  • CallcenterIn
  • JobsuchenderIn

Kontaktadressen:

Arbeitsamt, ARGE

Santa-Ana-Winde – Feedback der SZ-Redaktion

Nachtrag zum vorherigen  Post.  Frei nach Adenauer: „Was schert mich mein Geschwätz von gestern?“

Ticker: +++Artikel zur Überflüssigkeit des Journalistikstudiums,+++Zukünftige Journalisten sollten besser Jura, BWL oder  Naturwissenschaften studieren

Die SZ hat ein Feedback gegeben, was sehr nett ist, und auf einen Aspekt verwiesen, der tatsächlich nicht berücksichtigt wurde. Genau dieser Aspekt hat auch zu einem entscheidenden Gedankenspiel geführt. Dazu später.

Das Aktuelle Lexikon etwa ist  eine Rubrik, die in sehr wenigen Zeilen Fachbegriffe und komplexe Inhalte aus aktuellem Anlass erklärt. Manchmal weniger kompliziert, etwa in den letzten Tagen „Urlaub“ oder  „Das Karussel“, die Experten sind wohl in den Ferien;-), nein vermutlich greift das Sommerloch, manchmal mehr, etwa die „Santa-Ana-Winde“.

Was bitte sind Santa-Ana-Winde?

Auf so geringem Raum ist es von Vorteil, wenn man Fachwissen besitzt und so kurz und knapp in verständlichen Worten den Sachverhalt präzise schildern kann. Schließlich kommt es vor, dass die zu definierenden Begriffe dem durchschnittlichen Leser erstmal gar nix sagen.

Der Autor muss also in dieser einen Spalte mit den wenigen Zeilen hin und wieder eine komplette Wissenslücke füllen. Und für etwas, was der Leser in nicht mal einer halben Minute liest, ist natürlich auch kein großer Recherche-Aufwand gerechtfertigt.

An dieser Stelle lag ein Denkfehler. Es geht ja nicht nur darum, sein anstudiertes Wissen in Artikeln detailliert wirklich auf das Papier zu bringen.

Ein Beispiel, zugegeben etwas platt: Wenn ich darüber berichte, dass Pflanzen im Hochgebirge durchschnittlich viel kleiner sind und eine bestimmte Art besonders gut überlebt, muss ich noch nicht die Regeln des „survival of the fittest“ von Darwin wortgetreu wiedergeben, sollte dieses Wissen aber in meine Recherche miteinbeziehen.

Apropos Darwin und Aussterben.

Was ist denn, wenn eine komplette Redaktion aus reinen Journalistikstudenten besteht?

Natürlich sollten Journalisten recherchieren können und sich somit das Wissen aneignen. Aber welche Instanz wäre da noch vorhanden, gerade komplizierte Inhalte auf Richtigkeit zu überprüfen? Von dem Mehraufwand mal abgesehen.  So lange bestimmte Kompetenzen verteilt sind, ist auf diesem Gebiet die Qualität gesichert. Und auch wenn nicht alle Themen abgedeckt werden können, teilweise sind sie es zumindest immer.

Das Aktuelle Lexikon ist dafür ein gutes Beispiel. „Urlaub“ kann jeder definieren, bei Vogelgrippe wird es da schon schwieriger. Und sind nicht gerade  die Dinge spannend, von denen man selber wenig Ahnung hat?

Also, die zugegebenermaßen modifizierte Meinung: Journalistik sollte nicht komplett verteufelt werden.  Eine theoretische Basis ist in Ordnung. Allerdings sollten die Unis  ihren Studenten wirklich die Möglichkeit  geben, das Fach mit anderen, vor allem beliebigen  Fächern zu kombinieren.

Am journalistischen Institut in Dortmund kann man als Komplementfach Recht oder Wirtschaft studieren.

Das klingt nach einer guten Alternative.

Paragraphen pauken, nur um Festnahme nicht mit Verhaftung zu verwechseln?

SZ vom 17. August, Schule und Hochschule, S. 14: „Journalistik, ein Leerfach (Detlef Esslinger)

Ticker: Über die Nutzlosigkeit eines Journalistikstudiums

Eins muss man der Sueddeutschen Zeitung in jedem Fall lassen: Es herrscht Homogenität, auch in in der  Unternehmenskommunikation.

Wenn man sich für ein Praktikum beworben hat – und das bereits vor sechs Jahren und vor etlichen attraktiven medialgetunten Masterstudiengängen- wurde einem schon damals von dem lokalen Chefredakteur gesagt: „Studieren Sie bloß nicht Journalistik! Besser BWL oder Jura oder so!“

Grundsätzlich ist das sehr einleuchtend, denn hochkomplexe Inhalte wie sie heutzutage etwa die Wirtschaftskrise tagtäglich aufbringt, werden von Experten natürlich am besten verstanden und dann auch wiedergegeben. Ein persönliches Spezialgebiet ist durchaus von Vorteil, rein theoretisch. Aber da stellen sich doch zwei Fragen:

1. Es ist nachgewiesen, dass die Menschen immer seltener lange Artikel zu Ende lesen und eher den groben Überblick schätzen, als tief in die Materie vorzudringen. In Zeiten von Twitter regiert das Schlagwort. ALso: Wozu eine Darstellung über die allgemeine Leserkompetenz hinaus? Und die allgemeine Leserkompetenz sollte jeder gute Journalist kennen und erfassen können. Wer fachlich interessiert ist, der kauft sich die entsprechende Zeitschrift, deren Anspruch eine Tageszeitung sowieso aus zeitlichen und Kapazitätsgründen nicht erfüllen kann und auch nicht muss.

2. Sollte man wirklich Jura studieren müssen, um Begriffe wie  Festnahme, Verhaftung, Angeklagter oder Beklagter nicht durcheinanderzubringen? Ganz ähnlich wäre es bei Naturwissenschaften. Das Wissen, das man sich aneignet, kann doch nur zu einem ganz geringen Teil im journalistischen Alltag angewendet werden. Ist die Zeit, in der man Paragraphen auswendig lernt, die man niemals zitieren können muss, außer vielleicht bei Prüfungen, oder etliche Male Erbgut repliziert, obwohl man niemals beruflich ans Mikroskop will, nicht genauso Zeitverschwendung wie es laut Detlef Esslinger das Journalistikstudium ist?

Natürlich, ein Journalist sollte grundsätzlich neugierig sein und sich auch mit fachfremden Dingen intensiv beschäftigen. Aber muss das in einem speziellen Fachgebiet wirklich ein ganzes Studium sein?

Zeichnet es nicht vielmehr einen wirklich guten Journalisten aus, wenn er sich in jedes Gebiet einarbeiten kann? Wenn er auch Inhalte, die sehr kompliziert und komplex sind, verständlich und sachlich richtig wiedergeben kann? Und bitte: was soll so falsch daran sein, einen gewissen theoretischen Background das eigene Fach betreffend zu haben? Vor allem in einer Zeit, in der sich durch Web 2.0 und Internet allgemein, Verzeihung, natürlich worldwideweb allgemein, ein Wandlungsprozeß vollzieht. Verbunden mit praktischen Übungen und Praktika ist an dem Journalistikstudiengang nichts auszusetzen.  Denn zu lernen, was der Unterschied zwischen Reportage und Feature ist oder wie man einen Kommentar verfasst, ist keine Zeitverschwendung. Ganz abgesehen von der Möglichkeit zur crossmedialen Ausbildung, die zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Und, um es auf die Spitze zu treiben: Ist das alltägliche Geschäft nicht sowieso eher darauf ausgelegt, ein umfassendes Allgemeinwissen zu haben, gute Kontakte,  Menschenkenntnis und ordentliche Recherchesorgfalt?Welches Studium vermittelt diese Kompetenzen? Denn auch als ehemaliger BWL-Student muss ich mich auf ein Interview mit dem Wirtschaftsminister  nochmal vorbereiten. Selbst wenn ich den Zusammenhang zwischen Staatssubventionen und neuen Rekord-Umsätzen bei den Banken astrein reflektieren kann, politische Kommunikation ist nochmal ein ganz anderes Fachgebiet. Oder: wenn der Herr Guttenberg einen schlechten Tag hat, wie schaffe ich trotzdem eine Atmosphäre, in der ich an meine Infos komme. Oder: schlicht und ergreifend, wie mache ich ihn auf mich aufmerksam? Okay, je nach Handgemenge wären da Börsenerfahrungen gar nicht so schlecht. Nein. Scherz. Letztendlich braucht es hier vor allem Erfahrung.

Und generell zählt : Wer sagt was und welche anderen Quellen können das bestätigen oder widerlegen? Das ist eine Kompetenz, die einem mal grundsätzlich jedes Studium vermittelt! Inhalte objektiv analysieren und sie in ihrem Bezugsrahmen aufzeigen.

So, und allein dieser letzte Satz wäre wohl von beinahe jedem Redakteur gestrichen worden. Zu hochgestochen formuliert. Das versteht doch niemand.

Meine kleine Mondlandung…Momente der Weltgeschichte im TV

Mondlandung

Quelle: ruhuber.ch

Inspiriert von SZ 18./19.Juli, S.13 : „Reiseziel Zukunft“

Ticker: Momente der Weltgeschichte wie etwa der 11.September ,Tode von Lady Di und Michael Jackson, verankert im Gedächtnis von so vielen

Die Lady Di is hinüber – Erich, ich brauch an Schnaps

Ich habe die Mondlandung nicht miterlebt. Sie wissen also jetzt, dass  ich auf jeden Fall jünger bin als 40 Jahre. Ich kann mich gerade so schemenhaft daran erinnern, was ich getan habe, als ich vom Tode der Princess of Wales erfahren habe: Ich bin auf einem Campingplatz in Süditalien an einem Wohnwagen mit Satellitenschüssel vorbeigelaufen, an dem die Bayerische Fahne baumelte. Die Tür stand offen und ich hörte nur durch den Bambusvorhang eine -wahrscheinlich-  Frauenstimme den Fernseher überbrüllen: Erich, leckst mich fett, die Lady Di is hinüber! Ich brauch an Schnaps!

Als die Türme fielen interessierte nichts anderes

So nun ist die Anonymität fast hinüber, jetzt wissen Sie auch noch, dass ich also älter sein muss als 12 Jahre. Sagen wir es so, die Anschläge vom 11. September habe ich bereits in ihrer ganzen Tragweite erfassen können. Und ja, auch ich weiß, was ich in dem Moment gemacht habe, als mir mitgeteilt wurde, dass ein Flugzeug in das World Trade Center gekracht ist. War aber nichts Spektakuläres und Sie wissen ja eh schon viel zu viel von mir.

Aber eins muss ich dazu jetzt sagen: Natürlich war man zutiefst bestürzt über diese Bilder der rauchenden Türme und unglaublich geschockt, als dann auch noch ein weiteres Flugzeug auftauchte und der andere Twintower – nun war das offensichtlich- angegriffen wurde.  Aber ich habe in diesem Moment nicht das Bedürfnis gehabt, Leute anzurufen und zu fragen, was sie sich dabei jetzt gerade gedacht haben. Kollektives Trauma, ja. Aber nicht kollektiver Moment des Aufnehmens, also dieses bewusste Gefühl mit der ganzen Welt fernzugucken. Nein, denn ich denke, je tragischer das Ereignis, desto konzentrierter nimmt man das Gesehene auf. Die Umgebung und die anderen Menschen vor den Flimmerkästen sind da doch erstmal sekundär…natürlich bis es dann zum Austausch kommt. Das würde ich aber als Phase 2 bezeichnen. Bei Ereignissen, die angekündigt sind, ist diese Phase meist vorangestellt, etwa bei  Michael Jacksons Todesfeier. Man hatte vorher schon viel darüber gesprochen, also schaute man sich die Trauerfeier an und nahm für sich Abschied. Klar, irgendwie war das Bewusstsein vorhanden, dass da Millionen Menschen gerade die selben Bilder aufnehmen und genau das Gleiche tun. Immerhin haben das die Moderatoren auch oft genug betont. Aber ich saß trotzdem allein für mich auf meiner Couch.

Die Wetterfee tickt aus – Bin ich doof oder was?

Seltsamerweise hatte ich nur einmal sofort das Bedürfnis einen TV-Moment direkt zu teilen und war wirklich körperlich ergriffen, dass ich das jetzt nicht mit jemandem gemeinsam erlebt habe. Das lag aber vor allem daran, dass ich an meiner eigenen Zurechnungsfähigkeit zweifelte. War das jetzt wirklich passiert? Das können die doch nicht machen. Diese nette blonde, ausgeglichene Wetterfee im Ersten. Die tickt ja total aus. Hat die gerade mit dem Fuß auf den Boden gestampft wie ein trotziges Kind? Erich, ich brauch an Schnaps!

Ja, das wird Claudia Kleinert noch lange nachhängen. Über den Versprecher hätte wahrscheinlich niemand so lange gelacht.

Da hätte ich so gerne sofort gewusst, welches Gesicht die anderen von den mehr als eine Millionen Zuschauern gemacht haben. Da hätte ich gerne alle Sofas Deutschlands zu einem verbunden und mich dann mit allen kaputt gelacht und spekuliert, ob Frau Kleinert wohl bleiben darf. Das war meine kleine Mondlandung.

Der Grund ist wohl die Unvorhersehbarkeit, aber vor allem, dass es sich nicht um eine menschliche Tragödie handelt.Schadenfreude ist wohl doch immer noch die Beste (und Frau Kleinert ist ja nun wirklich gut davongekommen).

Ich denke die Übertragung der  Mondlandung am 21.Juli 1969 hätte mich wohl auch sehr fasziniert, vielleicht hätte ich eine „Moon“-Party veranstaltet. Aber ich glaube wirklich nicht, dass dieses Ereignis, auch wenn ich es nicht selbst erlebt habe, mit Katastrophen wie Tschernobyl oder den Anschlägen auf das WTC zu vergleichen ist.  Zumindest sind es die Gefühle wohl kaum, die man beim Zusehen hat.