Monatsarchiv: August 2010

Google gewinnt so oder so

Zwei Passanten auf der Straße zum Thema Schtrit Fju: die Widerspruchserklärung kommt mir so ein bißchen vor wie die Anzeigen gegen Neonazis. Da geht man hin, weil man hofft, die Polizei würde den, der einen verprügelt hat, verknacken und was hat man am Ende davon? Irgendwelche  braunen Maulwürfe erfassen seine Daten und man steht auf der Abschuss-Liste der Rechten im Internet. Der Countdown läuft bis der erste Gruß per Post oder per Faust vor der Haustür platziert wird.

Was das mit Street View zu tun hat?

Der Stern hat es in dieser Woche aufgezeigt: Was die Kekse für das Krümelmonster aus der Sesamstraße sind Daten für Google. Mjam mjam, ich kann nicht genug davon bekommen…krümel…Facebook…Google-Mail…Map…mjamm….youtube…krümel…mjammm…mjamm..Widerspruchserklärung…mjammmjamm

Widerspruchserklärung? Ja bist du deppart? Lieferst ihnen auf dem goldenen Tablett serviert dein Haus kombiniert mit deinem Namen? Dieser Keks schmeckt noch viel besser als der eines anonymen Fotos!

Schon mal drüber nachgedacht? Krümel..krümel…

Vor-Kuss-Panik, Herr Till Krause?

Peinlichkeiten sind mit Hochzeiten vermählt. Mitbekommen oder verursacht haben sie früher nur die, die dem Brautpaar nahe stehen. Und nicht die ganze Internet-Gemeinde.

Wer das Vergnügen hatte, am Freitag das Magazin der SZ zu lesen und das ist generell ein Vergnügen, ist vielleicht auf den Artikel des Neuen im Teams gestoßen. Till Krause ließ sich ausgiebig über das Social-Media-Verbot bei Hochzeiten aus.

Er schilderte seine Erfahrungen bei einer Ami-Hochzeit, die ja grundsätzlich  in allem immer ein bisschen rosaner, zuckergussiger und generalstabmäßiger geplant sind. Neu für den Autor war, dass keiner der Hochzeitsgäste Fotos schießen oder Videos drehen durfte, um  diese dann in einschlägige Internet-Plattformen zu stellen.

Grundsätzlich: Interessantes Thema, warum macht ein Brautpaar sowas?

Schade: Herr Krause hat sich voll auf den Aspekt „Virtuelle Ausbreitung von Peinlichkeiten verhindern“ eingeschossen und dass das Brautpaar den anwesenden Gästen offensichtlich überhaupt nicht vertraut. Aber es geht doch nicht nur um die Angst vor Peinlichkeiten.

Denn:

Warum wohl bezahlen Hochzeitspaare seit jeher viel Geld für die Aufnahmen von ihrer Hochzeit? Wieso ist das ein eigener Geschäftszweig?

Na, weil es ein einmaliger Tag sein sollte. Vielleicht wollen  die Vermählten die Bilder ihrer Feier ganz altertümlich in ein Foto-Album aus Karton  tun. Absurde Vorstellung, klar. Aber es könnte doch sein, dass sie ihre Traumhochzeit auf diese Art festhalten wollen. Für die Kinder später, zum Beispiel…

Und: Was ist, wenn das Hochzeitspaar die Bilder des schönsten Tags des Lebens einfach nur nicht in einer Reihe mit Party-Pics vorfinden möchte. Die strahlende Braut möchte  auf einem Profil im Internet nicht neben dem Album „Schlucken bis der Arzt kommt – Malle 2010“ oder eben in Ami-Sprache: „Sucking freaks“ oder vergleichbares auftauchen.Ist doch irgendwie verständlich…

Also, wenn das „Social Media-Verbot“ des amerikanischen Brautpaares auf den Charakter der Turteltauben schließen lässt, dann lässt der Artikel auf den Charakter des Autors schließen.  Lässt sich da eine ganz leichte VOR-KUSS-PANIK erkennen, Herr Krause?

Vielleicht hat Ihnen die eigene bevorstehende Hochzeit den Blick etwas vertunnelt? Die Angst davor als spießig vor den Freunden dazustehen, weil die Freundin auf die Platzkärtchen und den Katzentisch besteht? Wilde Spekulation, versteht sich…

Dabei gilt doch für  Hochzeiten sowieso nur eine Regel: Engste Verwandtschaft, in der Regel weiblich und die, die selber  gerade frisch verliebt sind, schmelzen mit dahin. Sie sitzen ganz aufrecht, ganz vorne in der Kirche und tupfen sich mit weißen Taschentüchern die Augen.

Alle anderen freuen sich auf gutes Essen und Trinken.

That`s it! Und natürlich alles Gute für Herrn und Frau Krause!

Der Artikel zum Nachlesen.