Monatsarchiv: November 2009

Brötchen für Studenten

Bamberger Studentenprotest

Ortsbegehung: Besetzter Hörsaal an der U7 in Bamberg.

Man erwartet übermüdete junge Menschen mit Augenringen, blass und hungrig.

Es bietet sich aber ein völlig anderes Bild auf dem Vorhof des Universitätsgeländes in der Innenstadt in Bamberg.  Umrahmt von Transparenten und Plakaten stehen zwei Jungs am Grill und versorgen ihre Kommilitonen mit Würstchen. Brötchen wurden von den Bäckereien um die Uni herum gespendet. Obst haben die Marktfrauen vorbei gebracht.

Überall stehen kleine Grüppchen draußen, man gönnt sich eine kleine Pause, atmet etwas frische Luft bevor das Plenum wieder zusammentritt und fängt dabei Leute ab, die möglichst unbeteiligt an den Streikenden vorbeigehen wollen. Es soll diskutiert werden.

Wieso bist du nicht oben im Saal und protestierst mit uns? Wenn nicht jetzt, wann dann, ist ein geflügelter Satz in diesen Tagen. Es werden Argumente ausgetauscht, dabei geht es um Kleinigkeiten, im Kern der Sache sind sich irgendwie alle einig. Der Student im feinen Wollmantel, der etwas mißtrauisch die Schlafsäcke beäugt, die ins Gebäude geschleppt werden, steht neben dem rothaarigen Bärtigen im gestreiften Pulli und zerissenen Jeans und gibt ihm völlig Recht, dass Bologna ein Schmarrn ist und die Studiengebühren nicht tragbar sind. Uneinigkeit herrscht aber darin, jetzt sämtliche Forderungen, die sich bei den Studenten in den letzten Jahren so angesammelt haben, mit auf den Tisch zu legen.

Macht etwa ein Arbeitskreis zur Wohnsituation in Bamberg momentan Sinn? Vor allem, weil erst die Schaffung neuer Wohnheimsplätze festgelegt wurde.Außerdem spielen in Bamberg die Archäologie-Studenten eine große Rolle, die es in letzter Zeit  wirklich hart  getroffen hatte, allerdings nicht wegen Bologna&Co. Sie wollen die Gelegenheit nutzen, auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Im letzten Semester konnten zeitweise keine Veranstaltungen mehr in ihrem Fach stattfinden, da das Gebäude akut Einsturz gefährdet war. Die größte Ironie an der Sache: In diesem Gebäude war zudem das Institut der Bauforscher ansäßig, die auf die Mängel hingewiesen hatten. Von offizieller Seite wurden die Bedenken aber immer abgeschmettert. Der jetzige Streik wird als Ventil für die Wut benutzt. Jeder möchte sein Anliegen miteinbringen.

Besser wäre es aber, sich auf eine Sache zu konzentrieren.Die Studenten sollten sich in den Kernforderungen mit den anderen Unis abstimmen. Ein guter Anfang war der Besuch einer Bamberger Delegation heute in München. Alle Probleme, die sich auf eine bestimmte Uni beziehen und nur lokal geklärt werden können, sollten hintenangestellt werden. Aufmerksamkeit zu erreichen ist in jedem Fall gut, aber die Gefahr, dass bei zu vielen speziellen Forderungen das eigentliche Problem aus dem Blick gerät, oder kleine „Geschenke“ seitens der Unileitungen benutzt werden, um die Studenten ruhig zu halten und den öffentlichen Druck herauszunehmen, ist zu groß.

Einer der Grill-Jungs ruft die anderen dazu auf, langsam wieder in den Saal zurückzukehren. Es ist kurz vor sechs, die Plenumssitzung wird gleich beginnen. Morgen werden Bands auftreten und ein Kabarett-Duo, im Hörsaal ist vor der weißen Leinwand,auf  die normal Vorlesungsstoff projiziert wird, eine Bühne aufgebaut. Der Arbeitskreis Logistik macht einen guten Job.

Der bärtige Rothaarige ist froh über Abwechslung, immerhin ist er seit Beginn des Streiks dabei und wird morgen die fünfte Nacht im Hörsaal verbringen. Außerdem tut die offensichtliche Unterstützung von außen gut. Aber wer jetzt den Vorwurf erhebt, das sei alles nur ein alternativer Zeitvertreib für linksorientiere Schmarotzer, die sich ein bißchen gegen das Establishment auflehnen, dem soll gesagt sein, dass eine unerwartete Disziplin unter den Streikenden herrscht. Um Punkt sechs Uhr ist der Vorhof der U7 leer. Im Gebäude wird weiter diskutiert.

 

 

 

Report aus dem Hörsaal

RCDS & Co. – Was hat euer Engagement gebracht?

Es ist doch nicht zu fassen.

Liebe RCDSler, liebe Fachschaftssprecher allgemein und dann noch lieber Herr Heubisch sowieso mal immer.

Könnt ihr mir mal erklären, warum ihr euch jetzt gegen die Kommilitonen wendet, die die Hörsäle besetzen?

Wenn euer Engagement in universitären Gremien so unheimlich viel bringt, wie konnte es dann zu dieser Bildungsreform kommen, die scheinbar in einem Vakuum durchgeführt wurde? Bologna wurde  auf den Universitätsbetrieb gestülpt, wo waren da die Stimmen und Beiträge, die die Umsetzung verbessert hätten?

Oder: Wie kann es sein, dass Studentensprecher etwa für die Abschaffung kostenloser Sprachkurse plädieren? Für welche Seite findet das Engagement der Fachschaften eigentlich statt? Oder ist der Einfluss eben doch zu gering? Dann solltet ihr erst recht mit für mehr Demokratie kämpfen.

Natürlich müssen die Studenten das demokratische Potenzial auch über die Hochschulwahlen nutzen. Die Fachschaften müssen ihre Profile deutlicher machen.

Außerdem: Wie sieht es mit dem Mitspracherecht bei Verteilung der Studiengebühren aus?

Zu wenig Geld?Keine Ahnung von Buchhaltung!

Und Herr Heubisch: Das Problem ist immer noch nicht das Geld. Die Studiengebühren werden an den Universitäten innerhalb der Lehrstühle verteilt und manche Lehrstühle wissen gar nicht wohin mit dem Geld. Während Geographiestudenten fast umsonst nach Island fahren und Geschichtsstudenten mit diversen Exkursionen zu Niedrigpreisen überschüttet werden, herrschen beispielsweise  an Lehrstühlen für Kommunikationswissenschaft und Journalistik Zustände wie an Weihnachten. Es gibt „Wunschlisten“ für Anschaffungen- dazu gehören zum Beispiel digitale Aufnahmegeräte. Nur ein paar, für alle Studenten langt es dann doch nicht. Von dem Geld bleibt trotzdem was übrig…ääh..Buchhaltung, erste Stunde?

Den bereits mit der Lehre überforderten Lehrstuhlinhabern und Mitarbeitern kann man kaum einen Vorwurf machen, dass sie keine adäquaten Budgetpläne erstellen können.

Wohin nur mit dem Geld?

Was wirklich fehlt ist von globalerer Natur: Plätze, Räume, ganze Gebäude..die sollen ja durch das Konjukturpaket II finanziert werden. Also, wozu nochmal die Studiengebühren?(Für die sich übrigens viele Studenten den Arsch aufreißen, entschuldigung, aber das muss mal so gesagt werden)

Kleiner Vorschlag und das geht jetzt an Herrn Heubisch und die Rektoren der Unis: In jedem Haushalt ist es so, dass zunächst festgelegt wird, was angeschafft werden muss. Wieviele Ausgaben gibt es? Dadurch ergibt sich der Betrag der Einnahmen, der notwendig ist, um die Kosten zu decken.

Offensichtlich werden die fixen Uni-Kosten gedeckt. Es herrscht ein völliger Überschuss. Wie ist das möglich?

Stoppt die Dalli-Dalli-Bildungspolitik

Vielleicht sollte endlich mal diese Dalli-Dalli-Politik aufhören. Rechtschreibreform, G 8, Bologna…alles sollte ganz schnell umgesetzt werden und ist gescheitert. Langsam reicht es.  Jedes Unternehmen würde bei solch einer Strategie den Bach runtergehen. Jeder Leiter eines Kompetenzteams wäre längst rausgeflogen. Ökonomosierung des Studiums? Wenden wir doch mal bei den „Machern“ das kapitalistische Prinzip an.

Es geht hier immerhin um die Bildung, eine von der Kanzlerin so hochangepriesene Ressource.

Anwesenheitslisten abschaffen? – Wir haben andere Probleme

Die Studenten sollten die Aufmerksamkeit nutzen, es ist wirklich toll, dass das erreicht wurde. Aber bitte konzentriert euch doch nicht auf Dinge wie Anwesenheitslisten. Forderungen wie eben deren Abschaffung nehmen der Diskussion ihre Ernsthaftigkeit.

Wichtig ist: Mehr Mitspracherecht in der Hochschulpolitik,  Transparenz der Finanzen und mindestens eine Reduzierung der Studiengebühren sowie deren sinnvolle Verteilung.

Wenn vernünftige Investitionen zur Verbesserung der Bildung erkennbar sind, werden mehr Studenten auch bereit sein, für die Studiengebühren zu arbeiten. 500 Euro pro Semester sind aber definitiv zu viel.  Momentan vernachlässigen viele ihr Studium, um sich dieses überhaupt finanzieren zu können. Das kann nicht der Sinn der Sache sein. Und wenn sie dann noch hören, wieviel von ihrem Geld zurückgegeben wird, ist der Frust mehr als nachvollziehbar.

Was Bologna angeht…mit Reformen von Reformen kennen wir uns in Deutschland ja mittlerweile aus.

Die Studenten wollen notfalls bis Weihnachten protestieren..vielleicht gibt es dann endlich mal wieder für sie ein Geschenk.

Deutschland im Herbst

Wochenrückblick – Gedankenschweif

Schokoladenmauer

Licht der Freude

Weggedrückt

Am Montag erinnerten wir uns an die unglaubliche Kraft, die die Menschen im Osten damals 1989 antrieb. Welche Energien freigesetzt wurden, die die in Beton gegossene Kälte des Kalten Krieges schließlich Stein um Stein aufbrach . Der Weg, der in den Trümmern des 2. Weltkrieges angefangen hatte, wurde in den Trümmern eines Menschen verachtenden sozialistischen Regimes beendet. Deutschland war wiedervereinigt. An diesem Montag waren diese Trümmer ganz leicht, Dominosteine hintereiandergereiht, eher dekorativ vor dem Brandenburger Tor postiert.

Die Bürger der DDR kämpften um ihre  Freiheit, gegen die Unterdrückung durch eine Elite. Der Druck kam von oben, die unten haben sich Luft gemacht und die starren Netze der internationalen Diplomatie und gegenseitigen politischen Einschätzung durchbrochen. Selbst Menschen, die damals nicht direkt dabei waren, spürten die Befreiung, den Hauch der unbegrenzten Möglichkeiten, die unbändige Freude. Im letzten Nuller Jahr wurden wir alle nochmal Zeuge dieser fantastischen Energie. Zeugen mit leicht verschwommenem Blick, da selbst die Härtesten eine klitzekleine Träne in den Augen hatten.

Niedergedrückt

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Lichter der Trauer - Quelle: tagesschau.de

Am Mittwoch ziemlich genau das gleiche Bild. Tausend Kerzen, Menschen, die schwer ihre Fassung bewahren konnten oder es gar nicht erst versuchten.  Selbst Darstellungs-Künstler wie Oliver Bierhoff oder Pocher ließen ihre breitgrinsenden Masken gleich zu Hause. Diesmal wurde die Nation Zeuge davon, dass ein junger erfolgreicher Mensch namens Robert Enke unter dem Druck des Spitzensports zerbrochen ist.

In „Depression“ steckt das lateinische Wort für Druck, „deprimiert“ bedeutet „niedergedrückt“. Robert Enke wurde niedergedrückt. Von den Erwartungen, die man an ihn stellte, vor allem aber wohl von den Erwartungen, die er an sich selbst stellte. Einer der vielen Kommentatoren im Fall Enke berichtete, dass es für den Keeper keinen Unterschied machte, ob er erfuhr, dass er als Nummer 1 im Nationalkader nominiert wurde  oder ob seine Frau ihm sagte, dass er Brötchen holen sollte. Die Gefühle waren  alle gleichwertig.  Wie kann es soweit kommen?

Freude ist die Essenz des Erfolges

Eine indische Weisheit besagt: Freude ist die Essenz des Erfolges. Ohne Lust und Spaß an dem, was man macht, wird man nicht erfolgreich. Aber Enke war erfolgreich..aber ist Erfolg auch gleich Glück? Oder ist Erfolg ohne Freude nur, dass man das Beste aus sich herausholen konnte? Wie eine Maschine? Kann Erfolg nur in Verbindung mit Freude dauerhaft bestehen?

Natürlich kann man den tragischen Tod Robert Enkes nicht als Beispiel par ecxellence für Leistungsdruck nehmen. Denn Depression ist eine Krankheit und hat sie erst die Oberhand über den menschlichen Geist, sind rationale Gedankengänge nicht mehr möglich. Das Gefühl der Niedergeschlagenheit breitet sich in jeder Faser des Körpers aus. Es ist, als würde man in einem Sumpf versinken. Je stärker man strampelt, desto schneller versinkt man. Ohne Hilfe kommt man nicht hinaus.

Dennoch ist Enkes Tod ein Anlass, über Leistungsdruck, Erfolg und den erfolgreichen Menschen an sich zu reden. Die Tatsache, dass Versagensänsgte nicht thematisiert werden können und emotionale Coolness zu einer erwünschten Attitüde in der modernen Gesellschaft gehört, bringt den Verdacht nah, dass Menschen zu einem großen Teil über ihr Äußeres definiert werden. Mit Äußerem ist das gemeint, was in Form eines Dokumentes belegt werden kann. Der Lebenslauf in etwa….Ein erfolgreicher und glücklicher Mensch ist in der gesellschaftlichen Vorstellung einer, der mit Zeugnissen und anderen Papieren belegen kann, warum er erfolgreich und glücklich ist. Ganz schnell, möglichst jung, viel erreicht haben…

Reingedrückt

Und wer sich jetzt fragt, was zur Hölle eigentlich, mal von dem Aktualitätskriterium in der vergangenen Woche abgesehen, die beiden Ereignisse miteinander zu tun haben, der erhält als Antwort ein weiteres Ereignis der vergangenen Woche:

Studenten besetzen die Hörsäle, sie kämpfen gegen die Ökonomisierung des Studiums und für die Bildungsfreiheit. „Deutschland im Herbst“  in der Version 2009. Es wird aufbegehrt, wenn auch bis jetzt und hoffentlich auch weiterhin nicht gewaltätig. Es sei denn, man möchte die Mambo-Weltrekordsversuche der Wiener-Studenten als Körperverletzung oder Nötigung im weitesten Sinne bezeichnen.

Die Studierenden wehren sich unter anderem gegen die Bachelor/Master-Ordnung.  Die sehr jungen Abiturienten werden in die Bachelor-Fabrik reingedrückt. Auf dem Produktionsband werden ihnen einheitliche Bildungspakete a la Gymnasial-Lehrplan zugeworfen – friss oder stirb- und am Ende kommen alle immer noch jung und gleich heraus. Hauptsache aber immer noch jung…

Studiengänge werden in wichtig und unwichtig für die Wirtschaft gegliedert, relevant oder nicht relevant für die Gesellschaft. Elite erwünscht, der Rest zahlt wenigstens. Studenten gehören entweder zu Leistungsträgern oder zu Schmarotzern…

Außerdem fordern die Fachschaften seit geraumer Zeit (mehr) Mitsprachrecht in der Hochschulpolitik.

D E M O K R A T I S I E R U N G 2K.

Zugegeben sehr zugespitzt formuliert, wird in der Bildung etwas gemacht, was zum 20-jährigen Jubiläum des 9.November 1989 von allen Politikern als untragbar und unbedingt nie mehr zulassbar deklariert wurde: die Entmündigung des Volkes.

Sichtbare Grenzen gibt es europaweit kaum mehr. Es ist Zeit, auch die unsichtbaren zu durchbrechen. Wir sind das Volk!

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Quelle: Tagesschau.de

Am 17.November wird wieder gestreikt.



Who stopped the train?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Inspiriert von SZ, 3.11.09, S.1 und S.4: Bahn bietet Öko-Tickets an

Ticker: +++Gegen Aufpreis bekommt man eine Bahnfahrt mit regenerativer Energie+++Das Angebot der Öko-Tickets  richtet sich vor allem an Geschäftsleute+++

Auf die Bahn zu schimpfen ist so ein bißchen wie über schlechtes Wetter zu meckern. Man wird mit Sicherheit Zustimmung bekommen, gleichzeitig vernimmt man aber eine offensichtliche Resignation bei seinem Gegenüber. Was soll man denn machen?

So ganz stimmt dieses Bild aber dann doch nicht. Who’ll stop the rain…Niemand.

Aber man kann sehr wohl eben nicht Bahn fahren. Selbst der umweltbewussteste Pendler wird bei Verspätungswahrscheinlichkeiten von bis zu 100 Prozent im Regionalverkehr und völlig überfüllten Zügen bei beliebten Verbindungen gerne auf sein Auto umsteigen.

Rückwärts aus dem Zug gefallen

Das Mädchen, das neulich Freitag nachmittags in den total überfüllten RE von Nürnberg nach München wollte und rückwärts aus der Tür auf den Bahnsteig gefallen ist, wird beim nächsten Mal sogar lieber im Stau auf der A9 stehen. Das Pärchen, das schon knapp dran war, aufgrund der Verspätung des vorherigen Zuges von Bamberg nach Nürnberg, das einfach nicht mehr in den Zug kam, wird sich beim nächsten Mal eine andere Alternative überlegen. Mitfahrzentrale etwa…

Vor allem weil sie dann im Reisezenter nicht mal ihr Bayernticket aufwerten konnten, um dann mit dem ICE wenigstens noch einigermaßen pünktlich in München anzukommen. Sie hatten nur die Möglichkeit, zwei Stunden auf den nächsten Nahverkehrs-Zug zu warten oder den vollen ICE-Preis zu bezahlen. Insgesamt wären das dann 120 Euro, plus Bayernticket, das wertlos würde, also 140 Euro für zwei Personen und über 4,5 Stunden Bamberg-München.

Feststehende Termine und Regionalverkehr passen überhaupt nicht zusammen. Der Regionalverkehr bei der Bahn ist kein zuverlässiges und vor allem kein flexibles Transportmittel. Der Kauf von Ländertickets für die Regionalbahnen gleicht einem Loskauf…werde ich pünktlich da sein? Bekomme ich meine Anschlüsse?

Die ICEs dagegen: toll. Komfortabel, meistens  zuverlässig und ein wirklich angenehmes Reisen. Ein wirklich guter Schritt sind durchaus auch die 29-Euro-Tickets. Aber eben nur für längerfristige Planung. Und diese Reisen gehören eher weniger zum alltäglichen Verkehr.

Immer überfüllt – nie aufgestockt

Hat Pro-Bahn und Co. nicht mal versucht gerade die Pendler auf die Bahn umzusatteln? Das wäre auch wirklich öko…die Menschen, die sich tagtäglich auf den Autobahnen befinden, gebündelt in die Züge verfrachten. Wie aber soll das funktionieren, wenn man sich auf nix verlassen kann. Vor allem, wenn wirklich gute Regionalverbindungen wie etwa die von Nürnberg nach München Freitag Nachmittag nicht Waggon-technisch aufgestockt werden, obwohl sie immer überfüllt sind?

Ganz ehrlich: Umweltbewusstsein ja, aber sich das nach einer langen Woche, möglicherweise noch getrennt von der Familie, anzutun, nein. Niemand möchte das Wochenende mit einer Fahrt beginnen, die vom Platzkomfort her an eine zweistündige U-Bahnfahrt vom Münchner Olympiapark Richtung City nach einem Bayern-Spiel erinnert. Nur ohne Hüpfen…

Und wenn man einen Bahn-Mitarbeiter am Gleis fragt, kommt die Antwort: „Der Zug ist die ganze Woche leer, nur freitags platzt er aus allen Nähten“.  Eine Argumentation à la „Verspätung wegen Streckenauslastung“. Ist es denn logistisch tatsächlich nicht möglich an einem Tag in der Woche einen Waggon dranzuhängen?Kaum vorstellbar bei einem Logistik-Unternehmen, das sogar die Stromquelle „switchen kann“…zumindest was den Betrag angeht.

Und weil es die ganze Zeit im Raum stand: Ja, auch Autofahren ist nicht berechenbar, die Rush-Hour bietet ähnliches Stresspotenzial wie der nun oft zitierte RE Nürnberg-München am Freitag-Nachmittag.

Spielende Kinder auf dem Gleis

Aber da sind wir wieder bei dem Bild am Anfang: Denn sitzt man mal im Zug, ist es wie mit dem Regen. Irgendwo zwischen Nürnberg und Treuchtlingen ist man den Gewalten der Schiene ausgeliefert. Zugüberholungen, Personenschäden, spielende Kinder auf dem Gleis (tatsächlich durchgesagt worden) und technische Schäden..who stopped the train?  Und der Zeiger auf der Uhr schreitet voran und voran…Handy-Akkus verabschieden sich in solchen Situationen sowieso grundsätzlich.

In meinem kleinen Auto, so wird der geneigte Pendler denken, gibt es immer noch ein Navi, Staunachrichten, etc. Und die Strecke kenn ich sowieso wie meine Westentasche. Und wenn alles nicht funktioniert, so habe ich wenigstens eins: einen Sitzplatz!