Santa-Ana-Winde – Feedback der SZ-Redaktion

Nachtrag zum vorherigen  Post.  Frei nach Adenauer: „Was schert mich mein Geschwätz von gestern?“

Ticker: +++Artikel zur Überflüssigkeit des Journalistikstudiums,+++Zukünftige Journalisten sollten besser Jura, BWL oder  Naturwissenschaften studieren

Die SZ hat ein Feedback gegeben, was sehr nett ist, und auf einen Aspekt verwiesen, der tatsächlich nicht berücksichtigt wurde. Genau dieser Aspekt hat auch zu einem entscheidenden Gedankenspiel geführt. Dazu später.

Das Aktuelle Lexikon etwa ist  eine Rubrik, die in sehr wenigen Zeilen Fachbegriffe und komplexe Inhalte aus aktuellem Anlass erklärt. Manchmal weniger kompliziert, etwa in den letzten Tagen „Urlaub“ oder  „Das Karussel“, die Experten sind wohl in den Ferien;-), nein vermutlich greift das Sommerloch, manchmal mehr, etwa die „Santa-Ana-Winde“.

Was bitte sind Santa-Ana-Winde?

Auf so geringem Raum ist es von Vorteil, wenn man Fachwissen besitzt und so kurz und knapp in verständlichen Worten den Sachverhalt präzise schildern kann. Schließlich kommt es vor, dass die zu definierenden Begriffe dem durchschnittlichen Leser erstmal gar nix sagen.

Der Autor muss also in dieser einen Spalte mit den wenigen Zeilen hin und wieder eine komplette Wissenslücke füllen. Und für etwas, was der Leser in nicht mal einer halben Minute liest, ist natürlich auch kein großer Recherche-Aufwand gerechtfertigt.

An dieser Stelle lag ein Denkfehler. Es geht ja nicht nur darum, sein anstudiertes Wissen in Artikeln detailliert wirklich auf das Papier zu bringen.

Ein Beispiel, zugegeben etwas platt: Wenn ich darüber berichte, dass Pflanzen im Hochgebirge durchschnittlich viel kleiner sind und eine bestimmte Art besonders gut überlebt, muss ich noch nicht die Regeln des „survival of the fittest“ von Darwin wortgetreu wiedergeben, sollte dieses Wissen aber in meine Recherche miteinbeziehen.

Apropos Darwin und Aussterben.

Was ist denn, wenn eine komplette Redaktion aus reinen Journalistikstudenten besteht?

Natürlich sollten Journalisten recherchieren können und sich somit das Wissen aneignen. Aber welche Instanz wäre da noch vorhanden, gerade komplizierte Inhalte auf Richtigkeit zu überprüfen? Von dem Mehraufwand mal abgesehen.  So lange bestimmte Kompetenzen verteilt sind, ist auf diesem Gebiet die Qualität gesichert. Und auch wenn nicht alle Themen abgedeckt werden können, teilweise sind sie es zumindest immer.

Das Aktuelle Lexikon ist dafür ein gutes Beispiel. „Urlaub“ kann jeder definieren, bei Vogelgrippe wird es da schon schwieriger. Und sind nicht gerade  die Dinge spannend, von denen man selber wenig Ahnung hat?

Also, die zugegebenermaßen modifizierte Meinung: Journalistik sollte nicht komplett verteufelt werden.  Eine theoretische Basis ist in Ordnung. Allerdings sollten die Unis  ihren Studenten wirklich die Möglichkeit  geben, das Fach mit anderen, vor allem beliebigen  Fächern zu kombinieren.

Am journalistischen Institut in Dortmund kann man als Komplementfach Recht oder Wirtschaft studieren.

Das klingt nach einer guten Alternative.

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10 Antworten zu “Santa-Ana-Winde – Feedback der SZ-Redaktion

  1. Nun könnte ich hier einfach nur schreiben:
    Jo, meine Rede: in Kombination ist Journalistik schon sinnvoll.

    Allerdings, inspiriert durch die angeführten Beispiele, erinnere ich mich selbst an eine Situation als Praktikant in einer Redaktion, in der ich als Historiker i.A. geschlossen von Chefredakteurin, Fotograph und zwei weiteren Journalisten (sämtliche übrigens mit unterschiedlichsten Studienhintergründen) gefragt wurde:
    „Ist dieses Erhaltungs..dingsbums…gesetz da irgendwie wichtig in unserer Geschichte?“
    (es ging um eine Gedenkveranstaltung bzgl. des Ermächtigungsgesetzes von 1933, dem endgültigen Ende der Demokratie und dem Beginn der NS-Diktatur)

    Nun, bräuchte man dafür nun wirklich einen Historiker? NEIN, es reichen:
    – Interesse für alle möglichen Themengebiete und die Bereitschaft 30 sec. zu investieren, um einen Blick auf Wikipedia zu wagen
    (.. und ich höre schon den Aufschrei! Nein, selbstverständlich bitte nicht als einzige Quelle nutzen. Ich spreche davon, sich einen groben Überblick zu verschaffen)
    – Allgemeinbildung!
    (in diesem konkreten Fall, betrachtet man die Lehrpläne für Geschichte sämtlicher Realschulen, Gymnasien, Fachoberschulen etc., keine große Kunst)

    Und bedenkt man, dass eine der Folgen dieses Ermächtigungsgesetzes von 33 die Einführung der Pressezensur war, bin ich wieder bei meinem Thema:
    – Rollenbewußtsein des Journalisten (Hallo?)

    Gut, bleiben wir bei den vorgegebenen Beispielen. Was muss ich studiert haben, um für einen knappen Lexikonartikel „Santa-Ana-Winde“ erklären zu können?
    Mögliches Laienwissen: Der Raum Los Angeles ist dafür bekannt, dass es in den Wintermonaten nochmal richtig warm und trocken werden kann, was an eben diesen Winden liegt, die vom Landesinneren in den Pazifik strömen.
    Dass es sich um kalte Luftschichten aus den Rockies handelt, die durch den Fall erwärmt werden, durch die Wüstenlandschaft trocken sind und der Canyon sie beschleunigt kann ich auch in Zeiten des WorldWideWeb relativ schnell herausfinden.

    Sicherlich, man spart sich natürlich Zeit, wenn man von einem Thema schon einmal gehört hat, aber ist die Fähigkeit auch komplexere Sachverhalte aus fremden Fachgebieten schnell und effektiv zu recherchieren nicht wichtiger?
    Und ja, spannender sind die Dinge, von denen man selbst keine Ahnung hat.
    Ich modifiziere daher ein wenig meine eigene Position: Praktische Übungen sind doch sinnvoll, weil man genau das dort lernt, im Gegensatz zu manch anderen Fächern.
    Im Übrigen bin ich doch sowieso gezwungen, mich bei allen Aussagen durch Quellen abzusichern. Oder soll ich mich selbst zitieren?

    Wie bereits gesagt: Journalistik ist sinnvoll, sofern dies mit einem anderen Fach kombiniert ist. Journalistik allein: Nein!

    Aber was ist mit Recht oder Wirtschaft allein? Bildet das einen aufgeschlossenen, recherchekompetenten, fächerübergreifend interessierten Journalisten aus? Nein!

    • Weißt du, was ich mir gedacht habe, als ich deine Beschreibung dieser Dingsbums..Winde gelesen habe? Wo hat er das her? Bin mir ja nicht so sicher ob ich ihm das glauben kann. DAs Problem mit dem Kommunikator.
      Sind wir nicht da genau bei dem was du argumentierst? Die Rolle des Journalisten.
      Ist es nicht um einiges besser, wenn man in der Redaktion verschiedene Kompetenzteams hat?
      Weil ganz ehrlich: nix, was du im Internet recherchierst, ist so verläßlich wie das eigene Studium von Büchern. Das solltest du als Historiker sehr gut wissen.
      Stell dir mal die Aufstellung einer Redaktion vor:
      ich nehm jetzt mal die SZ als Beispiel:

      Politik: Heribert Prantl, Dipl. Journalist
      Kultur: Tobias Kniebe, Dipl. Journalist
      Seite 3: Detlef Esslinger, Dipl. JOurnalist

      oder ganz anders: würdest du einem Diplom Journalisten oder einem Metereologen eher abnehmen, dass es morgen regnet?
      Oder um das nochmal zu verdeutlichen: ein Metereologe sieht sich die Prognose an und kann sie erklären. Ein Journalist würde sich die Prognose ansehen und müßte dann recherchieren wie es dazu kommt. Mehr Zeit, mehr Fehlergefahr…

      Man sollte bei dieser Debatte auch nicht unbedingt von Kaninchen-züchter-journalistischen Erfahrungen ausgehen. Sorry, dass ich das so krass formulier.
      Das GEschäft bei den Großen läuft anders…

  2. Gestern bin ich mit einem DAK-Mitarbeiter ins Gespräch gekommen, der gerade ein Plakat für einen „Suizid-Vortrag“ aufhängte. Er meinte. dass das unter Studenten ein immer größeres Problem werde. Selbstmordgedanken, weil der Druck zu groß ist, dann macht noch der Freund Schluss und schon ist die Welt kaputt.

    Nein, das soll nicht so leicht dahingesagt sein. Denn, und da kommen wir wieder auf die Diskussion von oben, wie meinen Sie fühlt es sich an, ein Sklave seine Lebenslaufs zu sein? Mann denkt man macht alles richtig und dann erkennt man am laufenden Band, dass einem noch irgendetwas fehlt. Hab ich genug Praktika? Ich muss unbedingt noch ne vierte außergewöhnliche Fremdsprache können….und und und
    JA, und dann wird einem noch vor Augen geführt, dass man mir Journalistik völlig falsch liegt. Da können die Nerven schon mal kurz reißen.
    GAnz klar: dieser Beruf ist beliebt, deswegen gibt es viele Bewerber und wenig STellen. Also muss man sich irgendwie abheben. Hätte man ja Lehramt studieren können, wenn einem das zu anstrengend ist. Aber da geht der Trend zumindest bei Gymnasium auch schon zum Über-Vorhandensein über…

    Das Wichtige ist also meiner Meinung nach nicht, dass man versucht alles zu erfüllen, was irgendeiner von einem erwartet. Man wird nie jeden glücklich machen können. Das Wichtige ist, dass man sich überlegt, wo seine Talente liegen und wie man sie in ZUkunft noch fördern kann,

    Vergangenen ENtscheidungen nachweinen bringt ja eh nix. Also, liebe JOurnalistik-Studenten: Mit Optimismus in die Zukunft gucken und schauen, wie man die Dinge positiv nutzen kann.

    Lag mir jetzt einfach noch am Herzen.

  3. Das gefällt mir.
    Die eigenen Talente erkennen und fördern.
    Wenn jemand besonders schön schreibt und gute Ideen hat, warum dann nicht einen Blog führen, gell;-)

  4. Besserwisser hat natürlich recht. Mit der Dingsbums… Geschichte habe ich natürlich ein sehr provinzielles Beispiel gewählt.
    Und natürlich ist ein fundiertes Fachwissen als Hintergrund immer besser, als eine schnelle Internetrecherche.

    Was ich aber insgesamt damit sagen wollte ist, dass ich eine grundsätzliche Verteufelung des Journalistikstudiums nicht unterschreiben kann.
    Zwar ist ein reines Journalistikstudium meiner Meinung nach eine falsche Wahl doch in Kombination mit einem oder mehreren anderen Fächern (ob nun Germanistik, Soziologie, Geschichte, Ehtnologie, Wirtschaftswissenschaften, Informatik, Politikwissenschaften und und und) ist es durchaus sinnvoll. Denn Journalistik als Nebenfach, bietet neben der Einführung ins praktische Handwerkszeug auch theoretische, gesellschaftliche, historische Grundlagen, die den Einblick und das Verständnis der Medienwelt und deren Rolle erleichtern und durchaus auch die eigene persönliche Rolle in diesem System definiert.

    Daher halte ich es für genauso falsch, ausschließlich Jura, Wirtschaft oder Biologie zu studieren, mit dem Ziel Journalist werden zu wollen.

  5. Den letzten Satz von Moltke kann ich nicht unterschreiben. Klar, sollte man sich neben einem Studium softskills aneignen und Praktika machen, aber falls er damit meint (und so verstehe ich diesen Post) dass man zusätzlich zu Jura ein anderes Fach studieren sollte, dann möchte ich Folgendes anmerken:

    Rechtswissenschaften sind nicht dafür ausgelegt, um mit einem Nebenfach kombiniert zu werden. Würde man das wollen, müsste man ein sogenanntes „Doppelstudium“ beantragen, was speziell begründet werden muss.

    Hinzu kommt, dass ein Jura-Student ein Jahr durchgängig auf sein Staatsexamen lernen muss. Bei einer Notenskala von 1-18 Punkten (ab 4 Punkten gilt die Klausur als bestanden) erreicht der große Durchschnitt der Studenten 4-5 Punkte als Endnote. Wer 9 Punkten (oder mehr) erreicht, gehört schon zu den (großen) Prädikatsstudenten, die nur 10% in Bayern ausmachen (also die Elite, die von allen Kanzleien mit Handkuss genommen wird). Leute die 12 Punkte oder mehr schaffen, gehen danach fast ausschließlich selbst in die Lehre.

    Also wollt ihr nun einem durschnittlichen Jura-Studenten, der nach jahrelangem Lernen gerade 4 Punkte geschafft hat, ernsthaft vorschlagen, ein Doppelstudium zu betreiben und somit unter Umständen ein jahr später nochmal in Jura antreten zu müssen?

    Man merkt halt mal wieder (und hier schließt sich der Kreis zum Artikel der SZ), dass Leute aus „Popelstudiengängen“ keine Ahnung haben 😉

    • An Leitfaden:
      Du glaubst also generell, dass Jura kein Komplementfach sein kann? Oder meinst du, dass nur zum Hauptfach nichts kombiniert werden kann?

      • Zum Hauptfach Jura kann nichts kombinert werden, meinte ich. Ist bei BWL prinzipiell auch so.

  6. Ich fürchte Leitfaden hat das falsch verstanden.
    Meine Absicht war es sicherlich nicht Rechtswissenschaftlern die Aufnahme eines Doppelstudiums zu empfehlen.
    Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole:
    Ursprünglich ging es um die These: Wer Journalist werden will, sollte kein Journalistik studieren!
    Meine Position: Doch, sofern es sich um eine Fächerkombination handelt, denn Journalistik als Nebenfach oder Schwerpunkt ist durchaus sinnvoll und vermittelt neben dem Fachwissen in einem anderen Bereich die journalistische Kompetenz. Und genau die hat mehr Bedeutung denn je, denkt man nur an crossmediale Kompetenzen, technisches Hintergrundwissen, Vermittlungskompetenz, soziologische und psychologische Aspekte, aber auch das Rollenverständnis in gesellschaftlicher, politischer oder historischer Hinsicht bzw. auch den Sinn für die Verantwortung, die mit diesem Beruf einhergeht. Letztere fehlt viel zu oft, weshalb ja Journalisten oft in die „Gesinnungsschreibe“ zurückfallen, wie Prof. Michael Haller in der SZ-Lesermeinung schreibt.

    Auf der anderen Seite ist ein reines Journalistikstudium nicht der richtige Weg. Auch wenn Detlef Esslingers Formulierung „Wer Journalistik studiert, ist anschließend Fachmann in nichts“ durchaus etwas hart ist – und hier ist anzumerken, dass es auch immer auf das Studienangebot der einzelnen Hochschulen ankommt – ist es dennoch nicht ganz falsch.

    Aber ist es denn der richtige Weg Fachkompetenzen ausschließlich in einem Bereich, ob nun Jura oder Biologie oder irgendwas anderes zu erwerben, um dann Journalist zu werden?
    Sicher passt ein Wirtschaftswissenschaftler gut ins Wirtschaftsressort, mal davon abgesehen, dass sie oft weder journalistische Kompetenzen besitzen, noch während ihres Studiums jemals den kritischen Umgang mit Quellen erlernt haben. Auch ein Politikwissenschaftler passt ja von der Bezeichnung gut ins Politikressort, ganz davon abgesehen, ob man sich während des Politikstudiums jemals Kompetenzen angeeignet hat, die im Medienbereich relevant sind.
    Und was ist mit Biologen, Chemikern, Physikern, Medizinern? Die können natürlich gut einen Absatz zum Schweinegrippeartikel beisteuern, der sich hauptsächlich um staatliche Schutzmaßnahmen, Impfmöglichkeiten, Entwicklungen im Ausland und Zukunftsszenarien dreht.

    Wozu dieser Spezialisierungswahn um dann mit seinem Fachwissen in die Redaktion zu kommen und zu sagen, dass man das restliche journalistische Geplänkel auch so mitbekommt.
    Dank an Anonym für den humorvollen Vergleich von heute abend: „Ich geh ja auch nicht zum Metzger und sage: ´Her mit dem Messer, ich kann ein Schnitzel schneiden, also kann ich auch die Sau schlachten´“

    Einen guten Journalisten macht es doch eben aus, sich schnell und effektiv in fremde Sachgebiete einzuarbeiten, den groben Rahmen zu erfassen, die Problematik grundsätzlich zu verstehen und es auf die einfachste und verständlichste Art und Weise dem Leser/Hörer/Zuschauer/User zu vermitteln. Und die besitzen eben keine Fachkompetenzen.

    Einen Großteil dieser Kompetenzen erlernt man durch wissenschaftliches Arbeiten, interdisziplinäres Denken, schnelles Switchen zwischen unterschiedlichen Fachgebieten und natürlich kombiniert mit Journalistik, d.h. Vermittlungskompetenz, Know-How, Rollenbewusstsein, Hintergrundwissen, etc. etc.

    Vielleicht spreche ich ja nur aus der Sicht eines „Popelstudiengangs“, aber ich frage mich auch, ob das „Lernen von Auswendiglernen“ so sehr viel besser ist.

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