Monatsarchiv: August 2009

Popelstudiengang, der

popel

Quelle:planet-host.de

Popelstudiengang,der –

Als Popelstudiengang bezeichnet man gerne Studiengänge der Geisteswissenschaften. Diese Studiengänge zeichnen sich dadurch aus, dass sie einem am Ende keine konkrete Berufsbezeichnung bringen (Taxifahrer zählt nicht). Die Inhalte eines Popelstudienganges bereiten einen nicht auf einen konkreten Beruf vor.

Popel-Studenten beschäftigen sich mit geistigen Inhalten, die Material für wissenschaftliche Kontroversen liefern. Die Ergebnisse dieser Kontroversen sind nicht im objektiven Sinne überprüfbar, sondern basieren auf wissenschaftlicher Analys von Sekundärliteratur und Quellen.

Die Inhalte finden in der alltäglichen Praxis in der Regel keine Verwendung. Nutzen und Aufwand-Rechnungen sollte man bei diesen Studiengängen nicht in den Vordergrund stellen.

Woran erkenn ich, dass ich einen Popelstudiengang gewählt habe?

Meine Antort auf die Frage, was ich studiere, wird mit einem „Aahh,jaa, …interessant“ quittiert. Wahlweise auch ein „Was man nicht so alles studieren kann“.

Typische Fragen, mit denen Popelstudenten konfrontiert werden:

  • Und was willst du damit später mal machen?
  • Gibt es da irgendwelche Jobchancen?
  • Solltest du da nicht vielleicht besser noch Lehramt dranhängen?
  • Ist dir das nicht ein bißchen zu unsicher. Ich meine, willst du nicht mal auch Geld verdienen?
  • Für was braucht man das so?

Gern erzählter Witz über Popelstudiengang-Absolventen:

Was sagt ein Popelstudiengang-Absolvent Jahre später zu seinem Professor?

„Pommes oder Mayo“

Lässt sich auch beliebig ausbauen. Etwa Alternativpointe:

„Wohin darf ich Sie fahren?“

Mögliche Berufsaussichten:

  • TaxifahrerIn
  • BedienungIn
  • VerkäuferIn
  • CallcenterIn
  • JobsuchenderIn

Kontaktadressen:

Arbeitsamt, ARGE

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Santa-Ana-Winde – Feedback der SZ-Redaktion

Nachtrag zum vorherigen  Post.  Frei nach Adenauer: „Was schert mich mein Geschwätz von gestern?“

Ticker: +++Artikel zur Überflüssigkeit des Journalistikstudiums,+++Zukünftige Journalisten sollten besser Jura, BWL oder  Naturwissenschaften studieren

Die SZ hat ein Feedback gegeben, was sehr nett ist, und auf einen Aspekt verwiesen, der tatsächlich nicht berücksichtigt wurde. Genau dieser Aspekt hat auch zu einem entscheidenden Gedankenspiel geführt. Dazu später.

Das Aktuelle Lexikon etwa ist  eine Rubrik, die in sehr wenigen Zeilen Fachbegriffe und komplexe Inhalte aus aktuellem Anlass erklärt. Manchmal weniger kompliziert, etwa in den letzten Tagen „Urlaub“ oder  „Das Karussel“, die Experten sind wohl in den Ferien;-), nein vermutlich greift das Sommerloch, manchmal mehr, etwa die „Santa-Ana-Winde“.

Was bitte sind Santa-Ana-Winde?

Auf so geringem Raum ist es von Vorteil, wenn man Fachwissen besitzt und so kurz und knapp in verständlichen Worten den Sachverhalt präzise schildern kann. Schließlich kommt es vor, dass die zu definierenden Begriffe dem durchschnittlichen Leser erstmal gar nix sagen.

Der Autor muss also in dieser einen Spalte mit den wenigen Zeilen hin und wieder eine komplette Wissenslücke füllen. Und für etwas, was der Leser in nicht mal einer halben Minute liest, ist natürlich auch kein großer Recherche-Aufwand gerechtfertigt.

An dieser Stelle lag ein Denkfehler. Es geht ja nicht nur darum, sein anstudiertes Wissen in Artikeln detailliert wirklich auf das Papier zu bringen.

Ein Beispiel, zugegeben etwas platt: Wenn ich darüber berichte, dass Pflanzen im Hochgebirge durchschnittlich viel kleiner sind und eine bestimmte Art besonders gut überlebt, muss ich noch nicht die Regeln des „survival of the fittest“ von Darwin wortgetreu wiedergeben, sollte dieses Wissen aber in meine Recherche miteinbeziehen.

Apropos Darwin und Aussterben.

Was ist denn, wenn eine komplette Redaktion aus reinen Journalistikstudenten besteht?

Natürlich sollten Journalisten recherchieren können und sich somit das Wissen aneignen. Aber welche Instanz wäre da noch vorhanden, gerade komplizierte Inhalte auf Richtigkeit zu überprüfen? Von dem Mehraufwand mal abgesehen.  So lange bestimmte Kompetenzen verteilt sind, ist auf diesem Gebiet die Qualität gesichert. Und auch wenn nicht alle Themen abgedeckt werden können, teilweise sind sie es zumindest immer.

Das Aktuelle Lexikon ist dafür ein gutes Beispiel. „Urlaub“ kann jeder definieren, bei Vogelgrippe wird es da schon schwieriger. Und sind nicht gerade  die Dinge spannend, von denen man selber wenig Ahnung hat?

Also, die zugegebenermaßen modifizierte Meinung: Journalistik sollte nicht komplett verteufelt werden.  Eine theoretische Basis ist in Ordnung. Allerdings sollten die Unis  ihren Studenten wirklich die Möglichkeit  geben, das Fach mit anderen, vor allem beliebigen  Fächern zu kombinieren.

Am journalistischen Institut in Dortmund kann man als Komplementfach Recht oder Wirtschaft studieren.

Das klingt nach einer guten Alternative.

Paragraphen pauken, nur um Festnahme nicht mit Verhaftung zu verwechseln?

SZ vom 17. August, Schule und Hochschule, S. 14: „Journalistik, ein Leerfach (Detlef Esslinger)

Ticker: Über die Nutzlosigkeit eines Journalistikstudiums

Eins muss man der Sueddeutschen Zeitung in jedem Fall lassen: Es herrscht Homogenität, auch in in der  Unternehmenskommunikation.

Wenn man sich für ein Praktikum beworben hat – und das bereits vor sechs Jahren und vor etlichen attraktiven medialgetunten Masterstudiengängen- wurde einem schon damals von dem lokalen Chefredakteur gesagt: „Studieren Sie bloß nicht Journalistik! Besser BWL oder Jura oder so!“

Grundsätzlich ist das sehr einleuchtend, denn hochkomplexe Inhalte wie sie heutzutage etwa die Wirtschaftskrise tagtäglich aufbringt, werden von Experten natürlich am besten verstanden und dann auch wiedergegeben. Ein persönliches Spezialgebiet ist durchaus von Vorteil, rein theoretisch. Aber da stellen sich doch zwei Fragen:

1. Es ist nachgewiesen, dass die Menschen immer seltener lange Artikel zu Ende lesen und eher den groben Überblick schätzen, als tief in die Materie vorzudringen. In Zeiten von Twitter regiert das Schlagwort. ALso: Wozu eine Darstellung über die allgemeine Leserkompetenz hinaus? Und die allgemeine Leserkompetenz sollte jeder gute Journalist kennen und erfassen können. Wer fachlich interessiert ist, der kauft sich die entsprechende Zeitschrift, deren Anspruch eine Tageszeitung sowieso aus zeitlichen und Kapazitätsgründen nicht erfüllen kann und auch nicht muss.

2. Sollte man wirklich Jura studieren müssen, um Begriffe wie  Festnahme, Verhaftung, Angeklagter oder Beklagter nicht durcheinanderzubringen? Ganz ähnlich wäre es bei Naturwissenschaften. Das Wissen, das man sich aneignet, kann doch nur zu einem ganz geringen Teil im journalistischen Alltag angewendet werden. Ist die Zeit, in der man Paragraphen auswendig lernt, die man niemals zitieren können muss, außer vielleicht bei Prüfungen, oder etliche Male Erbgut repliziert, obwohl man niemals beruflich ans Mikroskop will, nicht genauso Zeitverschwendung wie es laut Detlef Esslinger das Journalistikstudium ist?

Natürlich, ein Journalist sollte grundsätzlich neugierig sein und sich auch mit fachfremden Dingen intensiv beschäftigen. Aber muss das in einem speziellen Fachgebiet wirklich ein ganzes Studium sein?

Zeichnet es nicht vielmehr einen wirklich guten Journalisten aus, wenn er sich in jedes Gebiet einarbeiten kann? Wenn er auch Inhalte, die sehr kompliziert und komplex sind, verständlich und sachlich richtig wiedergeben kann? Und bitte: was soll so falsch daran sein, einen gewissen theoretischen Background das eigene Fach betreffend zu haben? Vor allem in einer Zeit, in der sich durch Web 2.0 und Internet allgemein, Verzeihung, natürlich worldwideweb allgemein, ein Wandlungsprozeß vollzieht. Verbunden mit praktischen Übungen und Praktika ist an dem Journalistikstudiengang nichts auszusetzen.  Denn zu lernen, was der Unterschied zwischen Reportage und Feature ist oder wie man einen Kommentar verfasst, ist keine Zeitverschwendung. Ganz abgesehen von der Möglichkeit zur crossmedialen Ausbildung, die zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Und, um es auf die Spitze zu treiben: Ist das alltägliche Geschäft nicht sowieso eher darauf ausgelegt, ein umfassendes Allgemeinwissen zu haben, gute Kontakte,  Menschenkenntnis und ordentliche Recherchesorgfalt?Welches Studium vermittelt diese Kompetenzen? Denn auch als ehemaliger BWL-Student muss ich mich auf ein Interview mit dem Wirtschaftsminister  nochmal vorbereiten. Selbst wenn ich den Zusammenhang zwischen Staatssubventionen und neuen Rekord-Umsätzen bei den Banken astrein reflektieren kann, politische Kommunikation ist nochmal ein ganz anderes Fachgebiet. Oder: wenn der Herr Guttenberg einen schlechten Tag hat, wie schaffe ich trotzdem eine Atmosphäre, in der ich an meine Infos komme. Oder: schlicht und ergreifend, wie mache ich ihn auf mich aufmerksam? Okay, je nach Handgemenge wären da Börsenerfahrungen gar nicht so schlecht. Nein. Scherz. Letztendlich braucht es hier vor allem Erfahrung.

Und generell zählt : Wer sagt was und welche anderen Quellen können das bestätigen oder widerlegen? Das ist eine Kompetenz, die einem mal grundsätzlich jedes Studium vermittelt! Inhalte objektiv analysieren und sie in ihrem Bezugsrahmen aufzeigen.

So, und allein dieser letzte Satz wäre wohl von beinahe jedem Redakteur gestrichen worden. Zu hochgestochen formuliert. Das versteht doch niemand.