Meine kleine Mondlandung…Momente der Weltgeschichte im TV

Mondlandung

Quelle: ruhuber.ch

Inspiriert von SZ 18./19.Juli, S.13 : „Reiseziel Zukunft“

Ticker: Momente der Weltgeschichte wie etwa der 11.September ,Tode von Lady Di und Michael Jackson, verankert im Gedächtnis von so vielen

Die Lady Di is hinüber – Erich, ich brauch an Schnaps

Ich habe die Mondlandung nicht miterlebt. Sie wissen also jetzt, dass  ich auf jeden Fall jünger bin als 40 Jahre. Ich kann mich gerade so schemenhaft daran erinnern, was ich getan habe, als ich vom Tode der Princess of Wales erfahren habe: Ich bin auf einem Campingplatz in Süditalien an einem Wohnwagen mit Satellitenschüssel vorbeigelaufen, an dem die Bayerische Fahne baumelte. Die Tür stand offen und ich hörte nur durch den Bambusvorhang eine -wahrscheinlich-  Frauenstimme den Fernseher überbrüllen: Erich, leckst mich fett, die Lady Di is hinüber! Ich brauch an Schnaps!

Als die Türme fielen interessierte nichts anderes

So nun ist die Anonymität fast hinüber, jetzt wissen Sie auch noch, dass ich also älter sein muss als 12 Jahre. Sagen wir es so, die Anschläge vom 11. September habe ich bereits in ihrer ganzen Tragweite erfassen können. Und ja, auch ich weiß, was ich in dem Moment gemacht habe, als mir mitgeteilt wurde, dass ein Flugzeug in das World Trade Center gekracht ist. War aber nichts Spektakuläres und Sie wissen ja eh schon viel zu viel von mir.

Aber eins muss ich dazu jetzt sagen: Natürlich war man zutiefst bestürzt über diese Bilder der rauchenden Türme und unglaublich geschockt, als dann auch noch ein weiteres Flugzeug auftauchte und der andere Twintower – nun war das offensichtlich- angegriffen wurde.  Aber ich habe in diesem Moment nicht das Bedürfnis gehabt, Leute anzurufen und zu fragen, was sie sich dabei jetzt gerade gedacht haben. Kollektives Trauma, ja. Aber nicht kollektiver Moment des Aufnehmens, also dieses bewusste Gefühl mit der ganzen Welt fernzugucken. Nein, denn ich denke, je tragischer das Ereignis, desto konzentrierter nimmt man das Gesehene auf. Die Umgebung und die anderen Menschen vor den Flimmerkästen sind da doch erstmal sekundär…natürlich bis es dann zum Austausch kommt. Das würde ich aber als Phase 2 bezeichnen. Bei Ereignissen, die angekündigt sind, ist diese Phase meist vorangestellt, etwa bei  Michael Jacksons Todesfeier. Man hatte vorher schon viel darüber gesprochen, also schaute man sich die Trauerfeier an und nahm für sich Abschied. Klar, irgendwie war das Bewusstsein vorhanden, dass da Millionen Menschen gerade die selben Bilder aufnehmen und genau das Gleiche tun. Immerhin haben das die Moderatoren auch oft genug betont. Aber ich saß trotzdem allein für mich auf meiner Couch.

Die Wetterfee tickt aus – Bin ich doof oder was?

Seltsamerweise hatte ich nur einmal sofort das Bedürfnis einen TV-Moment direkt zu teilen und war wirklich körperlich ergriffen, dass ich das jetzt nicht mit jemandem gemeinsam erlebt habe. Das lag aber vor allem daran, dass ich an meiner eigenen Zurechnungsfähigkeit zweifelte. War das jetzt wirklich passiert? Das können die doch nicht machen. Diese nette blonde, ausgeglichene Wetterfee im Ersten. Die tickt ja total aus. Hat die gerade mit dem Fuß auf den Boden gestampft wie ein trotziges Kind? Erich, ich brauch an Schnaps!

Ja, das wird Claudia Kleinert noch lange nachhängen. Über den Versprecher hätte wahrscheinlich niemand so lange gelacht.

Da hätte ich so gerne sofort gewusst, welches Gesicht die anderen von den mehr als eine Millionen Zuschauern gemacht haben. Da hätte ich gerne alle Sofas Deutschlands zu einem verbunden und mich dann mit allen kaputt gelacht und spekuliert, ob Frau Kleinert wohl bleiben darf. Das war meine kleine Mondlandung.

Der Grund ist wohl die Unvorhersehbarkeit, aber vor allem, dass es sich nicht um eine menschliche Tragödie handelt.Schadenfreude ist wohl doch immer noch die Beste (und Frau Kleinert ist ja nun wirklich gut davongekommen).

Ich denke die Übertragung der  Mondlandung am 21.Juli 1969 hätte mich wohl auch sehr fasziniert, vielleicht hätte ich eine „Moon“-Party veranstaltet. Aber ich glaube wirklich nicht, dass dieses Ereignis, auch wenn ich es nicht selbst erlebt habe, mit Katastrophen wie Tschernobyl oder den Anschlägen auf das WTC zu vergleichen ist.  Zumindest sind es die Gefühle wohl kaum, die man beim Zusehen hat.



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