Sie schäumen lieber Milch auf, als zu protestieren

Sind wir wirklich die Krisenkinder?

Zitat „Spiegel“: Sie sind die Deutschen von morgen, die 20- bis 35-Jährigen. Sie sind vernetzt, sie denken global, sie sind angepasst. Die Krise trifft sie härter als andere, aber nicht einmal das treibt sie zur Rebellion. Sie schäumen lieber Milch auf, als auf die Straße zu gehen…

(In Anlehnung an den Post über Studentenstreiks und die Spiegeltitelgeschichte)

Also, was sagt ihr dazu? Wie seht ihr eure Zukunft?

Rosig?

teddys

oder eher nich so?

teddy böse

Und warum protestieren wir nicht? Oder tun wir´s?

Fangt doch hier an und schreibt einen Kommentar!

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7 Antworten zu “Sie schäumen lieber Milch auf, als zu protestieren

  1. Ich sehe mich definitiv nicht als Krisenkind. Klar, der Druck ist gestiegen. Aber: Ich brauche Druck, Druuck!
    Nein, im Ernst: wir haben wirklich ziemlich alles mitgenommen, was man mitnehmen kann. 11. September, Bildungskrise mit Rechtschreib-Re-Reform (is das dann Restauration?), Globalisierungskrise, Klimakatastrophe, Schurken gegen Schurkenstaaten (Hello Mr.Bush), natürlich Finanzkrise, Bruno wurde kaltblütig ermordet und und und…
    Aber man hat nur dieses eine Leben und ich mag es eigentlich. Wir haben einen ziemlich hohen Standard, unglaublich viele Möglichkeiten zu kommunizieren und die Welt zu entdecken. Außerdem: vielleicht ist das ein ganz guter Punkt, sich mal wieder auf das Wesentliche zu besinnen. Die Spuren, die man im Leben hinterläßt, haften ja doch am meisten an den Menschen, die einem im Leben etwas bedeuten und denen man etwas bedeutet. Ich schätze diesen Trend der Rückbesinnung auf familiäre und soziale Werte als äußerst positiv ein. Man hat ja gut gesehen, was passiert, wenn die Welt aus karriere- und geldgeilen Egoisten besteht. Die ganze Welt dreht sich um mich….genau durch diese Einstellung ist alles ins Schleudern geraten!

  2. „Über Nacht mussten wir unser Heim verlassen. Im Rucksack waren ein paar Konservendosen, Brot und Decken fürs Kleinkind. Sonst waren die Kleider am Leib alles, was uns geblieben war. Wir stiegen in den Zug nach Westen. Unser selbst gebautes Haus, unsere Heimat, Freunde und Kollegen ließen wir hinter uns und wussten nicht, dass wir sie nie wieder sehen würden. Wir hatten absolut nichts mehr und mussten woanders völlig neu anfangen!“
    Neumarkt, Schlesien, Januar 1945

    Auch ich bin in einer Epoche des Friedens und Wohlstands aufgewachsen, doch die Zeiten, in denen für uns unvorstellbares Leid herrschte sind nicht allzu weit entfernt. Vor allem nicht, wenn man sie von seinen Großeltern oder gar Eltern erzählt bekommt.
    Dies sollte man sich bewusst machen, vielleicht nimmt man dann die paar „Problemchen“ und geringfügigen Minderungen unseres noch nie dagewesenen Lebensstandards ein wenig lockerer.
    Daher kann ich meinem Vor-Kommentator leider nicht zustimmen, dass wir so ziemlich alles mitgenommen haben, was man mitnehmen kann.

    Das heißt natürlich nicht, dass man nicht etwas gegen die negativen Entwicklungen unser Zeit tun sollte; aufstehen sollte und seine Stimme erheben sollte. Gerade weil wir in einer Demokratie leben und gerade weil es um UNSERE Zukunft geht.
    Nur sehe ich dies nicht im „Protest“ vertreten. Mal ehrlich, wer liest denn die Transparente oder hört die Protestrufe der Demonstranten?
    Viel wichtiger und produktiver ist es doch, die Demokratie auf einer anderen Ebene zu „leben“. Jeder sollte sein Stimmrecht wahrnehmen, öffentlich seine Meinung kund tun. Leserbriefe an Zeitungen schreiben, Briefe an die Büros seiner Parlamentarier schreiben und seine Meinung vertreten. Egal wem gegenüber, ob den Freunden im Café, dem Professor in der Uni, den Kollegen oder oder oder.
    DAS ist die Gesellschaft, hier entstehen Strömungen und Veränderungen. Sicherlich ein unüberschaubarer, meist auch langwieriger Prozess, aber ein Prozess.

    Zugegeben, dieser Kommentar ist sehr allgemein gehalten und wenig themenspezifisch, dennoch meine ich – gerade hier an dieser Stelle – antworten zu können:
    Warum protestieren wir nicht?
    Doch, wir tun es!

  3. Eigentlich sagen wir doch ganz ähnliche Dinge, oder? Flucht bedeutet, nicht zu wissen, was die Zukunft bringt! Gewohntes aufgeben. Weißt du, wo du heute in einem Jahr sein wirst? Mit Wem?
    Es herrscht eine totale Unsicherheit. Natürlich müssen wir nicht um unser Leben bangen, das ist ein Fortschritt. Aber das Gefühl, dass diese Generation durch all diese Krisen hat, ist doch ganz ähnlich – eine prekäre Situation.
    Trotzdem gebe ich dr recht: Jeder sollte in seinem Mikrokosmos etwas tun. Nur auf Demos zu sein und sich sonst nicht weiter für die da oben zu interessieren ist nicht akzeptabel. Leider aber verbreitet. Und wenn Leute ins Megaphon Parolen skandieren, die schon derart lange studieren, dass man meint sie wären schon damals neben Benno Ohnesorg gestanden, macht die Sache auch irgendwie unglaubwürdig:-)

  4. „Seien wir realistisch…“

    Wann wären wir, die vom Spiegel benannte Generation, Kinder der Krise? Dann, wenn Krisen, oder das Erfahren einer solchen, in der Phase der Sozialisation eines Menschen prägend einwirken. Demnach sind wir es!

    Um bei den bereits im ersten Kommentar genannten Beispielen zu bleiben:

    1. Wir haben den 11. September erlebt und er hat uns gezeigt, dass die Gefahr nun überall auf der Welt lauert.

    2. Wir haben die Bildungskrise mit Rechtschreib Re-Reform erlebt und sie hat uns gezeigt, dass Menschen über die Bildung bestimmen, die selbst nicht so recht wissen was sie eigentlich tun wollen.

    3. Wir erleben die Globalisierungskrise und sie zeigt uns, wie der Bezugsort vorwiegend des Materiellen immer weiter in den Hintergrund rückt.

    4. Wir sind mit der Klimakrise aufgewachsen, und wissen, dass wir die Zeit erleben werden, in der Autos ohne Benzin fahren werden müssen.

    5. Wir haben erlebt wie anscheinend ohne offen dargelegte Gründe Kriege begonnen werden können, und das von kleinen, nicht die Körpergröße betreffend, Menschen, die dafür umso größere Fehler machen.

    Diese Krisen haben ihre Wirkung, sie verändern unsere Sicht auf die Welt. Die Frage ist, ob sie auch direkt, physisch, auf uns wirken? Dazu bleibt zu sagen Nein!

    1. War die Möglichkeit einer Gefährdung objektiv betrachtet nicht schon vorher überall?

    2. Zwar hatte niemand der Reformer eine Ahnung, aber wir können trotzdem alle lesen und schreiben!

    3. Auch ohne Bezug zur Herkunft der Güter schöpfen wir aus dem nahezu grenzenlosen Angebot eben dieser.

    4. Bitte, erst heute habe ich noch getankt, und morgen wird es auch noch gehen.

    5. Obwohl niemand offen darüber geredet hat, war es ab dem 11. September klar, dass es soweit kommen wird und die direkten persönlichen Auswirkungen des Krieges ist für einen Europäer nicht wirklich spürbar.

    (Natürlich sind nur einzelne Aspekte der jeweiligen Beispiele erwähnt worden, und jedes einzelne kann lang diskutiert werden, aber der Grundtenor, und um diesen geht es in erster Linie, sollte klar geworden sein)

    Also sind wir doch keine Kinder der Krise!

    Wie ist dieser scheinbare Widerspruch aufzulösen?

    Krisen sind da, sie wirken auf uns. Eine Krise wird das, wozu sie gemacht wird.

    In unserer vernetzten Welt werden entfernte Krisen nah, direkt erfahrbar und beeinflussen uns somit. Wie schwerwiegend eine Krise erfahren wird hängt aber nicht von einem, wie auch immer gemessenen, absoluten Wert ab. Vielmehr hängt dies vom Bezugsrahmen ab. Somit können im historischen Vergleich vermeintlich klein und unbedeutend anmutende Krisen sehr wohl groß und bedeutend sein., wenn sie die einzigen im Bezugsrahmen, der Erfahrung des Einzelnen, sind. Das heißt wir sind doch, wenn auch über die geistige Hintertür, Kinder der Krise. Aber sind wir auch die einzige Generation von Krisenkindern? Nein. Jede Generation, mit ihrem eigenen Bezugsrahmen, ist ein Kind einer oder mehrerer Krisen.

    Das wir zu Beginn des dritten Jahrtausends auf einem so hohem Lebensstandard uns mit „unseren“ Krisen auseinandersetzen können, zeigt deutlich, dass man auch mit objektiv, soweit dies möglich ist, schlimmeren Krisen durchaus gut umgehen kann. Ob es danach besser oder schlechter wird kann nur die Zukunft zeigen, aber es geht weiter und das einzige was jedem einzelnen bleibt ist sein Bestes auf dem Weg nach vorn zu geben.

    Es bleibt festzuhalten: Wir sind Kinder der Krise, weil wir es nicht nicht sein können.

    Aber dennoch haben wir das Glück diese Krisen in einem Umfeld zu erfahren, durch das wir nicht in Existenz bedroht werden. Somit sind die Auswirkungen der Krise nicht materiell oder Existenzbedrohend, sondern vielmehr geistiger Natur. Darin liegt auch der Grund für die ausbleibende Protestmentalität. Der großen Masse geht es noch zu gut. Allein die geistigen Auswirkungen oder Verwirrungen dieser Krise scheinen bisher nicht auszureichen. Und obwohl die Wirkungen dieser Krise primär geistiger Natur sind, ist daraus noch kein geistiges Verlangen nach Protest, nach Veränderung entstanden. Dieser Wille nach Veränderung ist aber immer die Voraussetzung für das physische Aufstehen, den Protest, die Demonstration, die Revolution.

    Trotz der viel zitierten guten Umstände in denen wir leben, gibt es doch genug, was Veränderungsbedürftig ist. Das etwas verändert werden kann zeigt die Geschichte. Was noch fehlt ist der Wille. Dazu benötigt es Verständnis, und Verständnis benötigt Reflexion. Bei jenen, der aktuellen Erfahrung nach die Mehrheit, die noch nicht reflektieren, kann der Weg über die Diskussion führen. Daher ist jede Diskussion als Schritt zu Veränderung hin zu sehen, und damit auch Teil des Protestes, wie bereits richtig angemerkt wurde. Und jenen, die sich vor den übermächtig scheinenden Gegebenheiten ohnmächtig fühlen, die Richtung eures Weges mag bestimmt sein, aber über den einzelnen Schritt kann man noch selbst bestimmen. Denkt nach, reflektiert! Es gibt nur dieses eine Leben!

    Also gehen wir mit erhobenem Kopf voraus, reflektieren wir, diskutieren wir und dann wird sich etwas ändern. Es mag zwar einige geben die meinen dies sei unmöglich, denen sei gesagt:

    „…versuchen wir das Unmögliche.“
    (Che)

    Anm. d. Verf.: Nur ein paar kurze Gedanken in einer zu kurzen Nacht.

  5. Das verwendete historische Beispiel von Flucht und Vertreibung, was so viele Menschen in Verbindung mit dem Zweiten Weltkrieg erfahren mussten, sollte sicherlich nicht Metaphern dienen. Hier ging es mir tatsächlich um den direkten Vergleich der physischen und existenzbedrohenden Probleme unterschiedlicher Zeiten.
    Es ist die Idee, unsere Krisen in eine größere historische Dimension einzuordnen, um ihnen so ihre Merkmale größter Bedrohung und Einzigartigkeit zu nehmen.
    Noch viel einfacher: Bleiben wir in unserer Zeit und blicken nur ein paar hundert Kilometer über unsere Staatsgrenzen hinweg, für viele von uns reicht meist auch nur der Blick in ein anderes Stadtviertel.

    Dennoch stimme ich natürlich zu, dass jeder einzelne von uns in seinem ganz eigenen Bezugsrahmen das Kind einer oder mehrerer Krisen ist und wie Vincenzo bereits schrieb, gibt es wohl niemanden, der mit keiner Krise zu kämpfen hat oder hatte.
    Doch muss ich – und ich formuliere mit voller Absicht provokativ – die Unfähigkeit oder den Unwillen der Reflexion, des Vergleichs, des Blickes über den „eigenen Tellerrand“ hinaus, als Ausrede verwenden, um die geistige Auswirkung und Schwere der eigenen Krise nur am eigenen Bezugsrahmen zu messen? Vielleicht sollte man hier besser die Frage nach den Ursachen der oftmals erschreckenden Beschränktheit dieser individuellen Bezugsrahmen stellen!

    Man möge mich nicht missverstehen. Ich diskutiere hier nur die individuelle bzw. kollektive Einschätzung „unserer“ Krisen, bzw. das Maß deren geistiger Auswirkungen.
    Entschieden wende ich mich gegen Vincenzos Aussage: „Somit sind die Auswirkungen der Krise nicht materiell oder Existenzbedrohend…“
    Man denke bitte an große Teile unserer Gesellschaft, denen sehr wohl materielle, manchmal auch existenzbedrohende Nachteile durch eben diese Krisen entstanden sind oder vielmehr noch entstehen werden.
    Allerdings trifft dies nur in einem begrenzten Maße, sowohl qualitativ als auch quantitativ zu, weshalb man wiederum sehr wohl verallgemeinernd von „Auswirkungen eher geistiger Natur“ sprechen kann.

    Doch ist das Fehlen physischer Auswirkungen, der „Grund für die ausbleibende Protestmentalität“ nicht gerade der Knackpunkt? Ist dies nicht eben jener Faktor, mit dem man jenseits zeitlicher, gesellschaftlicher oder sozialer Bezugsrahmen dennoch eine Abstufung, eine Wertigkeit feststellen kann? Bezieht sich nicht gerade dieser Faktor auf einen absoluten Wert?

    In diesem Sinne : „gehen wir mit erhobenem Kopf voraus, reflektieren wir, diskutieren wir und dann wird sich etwas ändern.“

    … dem schließe ich mich noch mit einem leicht abgewandelten irischen Sprichwort an:
    „Krisen hassen nichts so sehr, wie ein Lächeln“

  6. Eigentlich störe ich mich ein wenig an der Definition dieses Generationenspektrums, genauer gesagt an der Einteilung 20 – 35.
    In dieser Zeitspanne liegen schon wieder so viele unterschiedliche Ereignisse, die z.B. die jüngeren Leute eigentlich aus dieser Generation wieder rauskegeln…geh ich nur mal von mir aus mit meinen zarten 27 – quasi die Mitte der beschriebenen Generation.
    Tiefgreifende Ereignisse:
    – Tschernobyl (löste eine unglaubliche Angst vor KKWs aus)
    – Mauerfall und dt. Wiedervereinigung (D’land sah in der Tagesschau nicht mehr so unfertig aus)
    – Weltmeister ’90 (!!!)
    – Golfkrieg II (Krieg im TV/ Angst vor Giftgas…Danke, Herr Pfarrer!)
    – Zusammenbruch der Sowjetunion und Ende des Warschauer Paktes (positiv: Onkel durfte erstmals wieder in sein Heimatland; negativ: Putsch in der UdSSR, Gefahr eines Bürgerkrieges mit ungeahnten Folgen)
    – Kurt Cobain (endlich Teil einer Jugendbewegung)
    – Neonazibrutalität in D’land
    – Bürgerkrieg in Jugoslawien
    – Es gibt einen anderen Kanzler als Kohl
    – Tschetschenienkrieg
    – Krieg gegen Serbien
    – El Nino
    – zunehmende terroristische Aktivitäten, Kulmination mit dem 11.9.01
    – „Krieg gegen den Terror“ (Irak III, Afghanistan)
    – Aufstieg und Abstieg der sogenannten New Economy

    Und nun sind wir da…Wirtschaftskrise, Klimakrise, Bildungskrise, Zukunftskrise…

    „We didn’t start the fire…“

    Krise ist mittlerweile in seinem Gebrauch so inflationär wie Kultur ö.ä..
    Sind die ganzen Krisen mittlerweile so omnipräsent, dass wir sie einfach nicht mehr als solche wahrnehmen? Sozusagen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen?
    Sind wir in der Hinsicht – um einen anderen Faden aufzunehmen – zu abgestumpft? Oder zu angepasst?

    Haben wir es nötig zu protestieren und halten wir es für nötig? Und wenn ja, gegen was und gegen wen? Wo sitzt der „Feind“?
    Gibt es noch klare „Feindbilder“?
    Sind wir fürs protestieren vielleicht zu rational geworden? Stellen wir uns ein wenig zu häufig die Sinn-und-Nutzen-Frage?
    Wollen wir zuviel und machen zu wenig?

    Mir fallen leider nur Fragen ein und keine Antworten…aber die richtigen Fragen können ja hin und wieder auch den Horizont erweitern…

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