Streets of San Francisco

Inspiriert von SZ, 5.06.2009, Seite 7 „Vom Terminator zum Bankrott-Gouverneur“

Ticker: Kalifornien pleite – Arnold Schwarzenegger will  drastisch Sozialausgaben kürzen Haushaltsdefizit bei 24,3 Milliarden Dollar – sogar Haftstrafen sollen verkürzt werden

Have you seen the old man..in the closed-down market? schreibmaschine_bearbeitet-1

Als ich durch San Francisco lief, dachte ich nicht daran, sicherzugehen, dass ich Blumen im Haar trug.  Der Ohrwurm, der mich dauernd begleitete, war RalphMcTells „Streets of London“. Nicht weil diese zwei Städte sich ähnlich wären, ganz im Gegenteil. Nein, es waren die Obdachlosen an jeder Ecke.  Menschen im Bus, die dermaßen schlecht rochen, dass ich früher wieder ausstieg und den Rest zu Fuß ging. Selbst wenn ich mich schäme, das so sagen zu müssen. Aber der Geruch von Elend ist nicht zu ertragen, in jeder Hinsicht.  Menschen, die dahinvegetieren im Dreck der Straßen – in dem wahnsinnig cleanen Kalifornien.

Die öffentlichen Verkehrsmittel sind hier nicht nur Transportmittel, auch nicht Kult wie eben in London. Die Busse verbergen, was die Cable Cars nicht ahnen lassen…Pure Armut und Elend in einer Stadt, die für Flower Power und Schöne Welt steht. Fisherman’s Wharf – Vergnügungsstätten. Etliche Fernsehserien erzeugen genau dieses Bild.  Das düsterste, das es hier gibt, ist wohl „Charmed“ – aber auch nur weil es da um Hexen geht.Um schöne saubere Hexen natürlich.

Why lie?I need beer.

Zurück auf den Straßen von San Francisco. Why lie? I need beer. Dieses Schild lehnte an den Füßen eines alten Manns, der keine Zähne mehr im Mund hat und mit einem Pappbecher von Starbucks bettelte. Touristen lachten über sein Schild,  ich fand es zuerst auch witzig…wollte ein Foto machen. Bis ich aufgeklärt wurde, dass das nur eine neue Masche sei. Die Homeless hätten erkannt, dass die Touristen darauf anspringen. Der ist wenigstens ehrlich…dem geb ich gerne mein Geld.

Fand ich gut.

Ein Spiel mit Vorurteilen und Klischees der Menschen, ein bißchen wie es in Dritte-Welt-Ländern geschieht.

…In our winter city,
The rain cries a little pity
For one more forgotten hero
And a world that doesn’t care…

Ich habe eine Münze in seinen Becher geworfen.

Kalifornien in finanzieller Krise

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4 Antworten zu “Streets of San Francisco

  1. Ist das nicht mit allen amerikanischen Traumstädten so? Das für die meisten Europäer aus Film und Fernsehen bekannte Bild des geliebten und beneideten New York zeigt leider auch nicht, wie es dort eigentlich riecht! Man denke an die romantischen Szenen diverser Schnulzen und Serien, in denen ein typisches gelbes New Yorker Taxi vor einer nächtlichen, verschneiten winterlichen Central Park – Kulisse über die typischen rauchenden New Yorker Gullideckel fährt. Und: nein, dieser Rauch ist KEIN Wasserdampf.
    Auf der Leinwand spricht auch niemand über die „Ich-habe-vergessen-dass-ich-doch-kein-Polizist-bin“-Sicherheitsdienste, die es wohl als einen Akt der Bandenkriminalität ansehen, nach Einbruch der Dunkelheit vor dem Hostel in Greenwich Village mit seinem Zimmergenossen noch eine Zigarette zu rauchen.
    Von der Müllabfuhr, die mitten in der Nacht mit dem 5fachen Geräuschpegel, des sowieso schon immer anwesenden und ätzenden Stadtverkehrs will ich gar nicht reden. Gut, das kann daran liegen, dass der Big Apple nunmal dafür bekannt ist, niemals zu schlafen und vielleicht auch daran, dass ich auf dem fränkischen Land aufgewachsen bin. Da kam die Müllabfuhr nunmal nur jeden „Mondoch-nochmiddooch!“

    Wie auch immer, wie die Medien Sauberkeit und Glückseeligkeit in Straßenzüge zaubern können, in denen in Wirklichkeit nichts davon zu sehen ist, können sie das mit einem ganzen Land, dessen Gesellschaft, Kultur, Ideologien etc. tun.
    Jeder größenwahnsinnige Feldherr hätte sich davon eine Scheibe abschneiden können. Wozu Waffen und Soldaten, die der Welt etwas aufzwingen sollen, wenn das mit Hollywood von ganz alleine geht. Ein mehrheitlicher Anteil von US-Produktionen im TV und Kino überzeugen schnell: Der American Way of Life ist cool und hip!
    Naja, und bei Gesellschaften, die das mehrheitlich nicht so sehen (meist aufgrund fehlender flächendeckender TV-Versorgung) können ja immernoch überrannt werden.

    Ob das der Mann mit seinem Starbucks-Becher auch so sehen würde?
    😉

    • Ja, wie schon meine Grundschullehrerin sagte: Außen hui, innen pfui. Das Schlimmste daran ist aber, wie ich finde, dass mit Schwarzeneggers Programm jetzt wieder die dran glauben müssen, die eh schon nix haben. Obwohl: Die Strafgefangenen dürften sich freuen. Vorzeitige Haftentlassung nicht wegen guter Führung, sondern wegen Finanzkrise. Refinanzierung des Staates statt Resozialisierung.

  2. Ich bin ja mal gespannt, welche Strafgefangenen es „trifft“…Trickbetrüger, Steuerhinterzieher, Geldfälscher…hm…rekrutiert er sich da am Ende eine neue Behörde? 😀

  3. Interessanter Gedanke…was man halt alles so braucken könnte, oder?

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