Monatsarchiv: Juni 2009

jeder zehnte…Brite hält Adolf Hitler für erfunden

In Anlehnung an SZ, Freitag 26.Juni, Wissen, S. 16 „Der Preis des Rausches“

Ticker: +++Jeder zehnte Europäer stirbt an den Folgen von übermäßigem Alkoholkonsum+++

Jeder zehnte Deutsche bestellt Medikamente online

Jeder zehnte erwachsene Deutsche ist finanziell am Ende

Jeder zehnte Haushalt in Deutschland hat kein Festnetz

Jeder zehnte Berliner ist reich

Jeder zehnte deutsche PC-Nutzer ist ohne Virenscanner

Jeder zehnte Chef in Deutschland ist eine Frau

Jeder zehnte Fehltag im Job ist Rückenbedingt

Jeder zehnte sächsische Grabstein ist ein Sicherheitsrisiko

Jeder zehnte weiß seine Blutgruppe

Jeder zehnte Abgeordnete im Bundestag nutzt Twitter

Jeder zehnte ist für Auflösung der Europäischen Union

Jeder zehnte ist tätowiert

Jeder Zehnte ist Opfer von Mobbing

Jeder zehnte Brandenburger will die DDR zurück

Jeder zehnte hat keine Email-Adresse

Jeder zehnte Teenie ist süchtig nach PC-Spielen

Jeder zehnte Student kommt aus dem Ausland

Jeder zehnte verkauft sein Weihnachtsgeschenk

Jeder zehnte Vater nimmt Baby-Auszeit

Jeder zehnte Münchner ist behindert

Jeder zehnte Migrant liest täglich

Jeder zehnte Deutsche  fühlt sich vom Sex der Nachbarn gestört

Jeder Zehnte hat Bremsspuren in der Unterhose

Jeder zehnte Bauer ist ein Biobauer

Jeder zehnte Firmengründer ist ausländischer Herkunft

Jeder zehnte Brite hält Adolf Hitler für erfunden

Jeder zehnte Autofahrer in Europa fährt betrunken

Jeder zehnte Abiturient möchte Arzt werden

Jeder zehnte Bayer ist in einem Musikverein

Jeder zehnte Arzt ist Medikamentenabhängig

sieben…acht…neun…Und du?

Unten leuchten die Sterne – Berliner Bekenntnisse?

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Bildunterschrift SZ:  „Berliner Bekenntnisse…“ (Sinngemäß): Seit Barack Obama ist die amerikanische Flagge auch in Deutschland wieder tragbar geworden

Artikel vom 25.Juni 2009, Seite 2, Thema des Tages „Geschäftsreise nach Washington“, vierspaltiges Aufmacherbild

Ticker: Merkel in Washington – Beziehungen zwischen USA und Deutschland opportunistisch und rein geschäftlich, eben politisch – Aber immerhin gibt es diese Beziehungen wieder

Die furchtbar wütende und Amerika-kritische Band „Rage Against the Machine“ hat es zu ihrem Programm gemacht, die Tagesschau auch, sie allerdings nicht absichtlich:

Umgekehrte Staatsflaggen, besser gesagt: auf dem Kopf stehende Staatsflaggen.

Was verdrehte Flaggen bedeuten

In Kriegszeiten hieß eine verkehrtherum- gehißte Flagge, dass man kapitulieren werde. Im Allgemeinen wird die Pervertierung eines Nationalsymbols dafür verwendet, auszudrücken, dass man keinen Respekt vor einem Staat hat. Man will sogar dem Ansehen des Staates schaden. Dafür kann man mit Bußgeldern oder auch Haft bis zu drei Jahren bestraft werden.

Hermeneutisch das Potenzial einer Atombombe

Die Sueddeutsche Zeitung hat sich heute  zu den Flaggen-Verdrehern gesellt. Wenn auch vermutlich unabsichtlich. Es ist ein Agentur-Bild, wahrscheinlich hat da jemand einfach nicht genau hingeschaut. Allerdings: Ein Versehen mit skandalöser Auswirkung.  Das Bild lässt sich eindeutig als Anti-Amerika-Bekenntnis interpretieren, das Ganze noch garniert mit einem der Symbole für die deutsche Hauptstadt, nämlich der Berliner Siegessäule. Und der Fahnenträger: vermutlich türkischer Herkunft, Angehöriger der islamischen Glaubensgemeinschaft.

Im Kontext der Berichterstattung über die deutsch-amerikanischen Beziehungen hat dieses vierspaltige Aufmacherbild der Seite 2  hermeneutisch das Potenzial einer Atombombe.

Journalistische Sorgfaltspflicht?

In diesem Falle wäre es euphemistisch von Versehen zu sprechen. Dieses Versehen birgt eine zu krasse Aussage. Solch sensible Themen wie politische Beziehungen sollten nur mit journalistischer Sorgfaltspflicht angegangen werden. Das Bild für sich genommen, ohne zu interpretieren, ist sicherlich künstlerisch sehr wertvoll – aber ästhetische Kriterien gehören wohl eher in den Feuilleton-Teil.  Die Kunst kennt auch keine Grenzen. Obwohl: Selbst Karrikaturen haben schon Krisen ausgelöst…

Weniger ernst: Weitere Flaggen der ARD-Tagesschau

Wie es ein Büglebrett in die Medien schaffte und weiteres Skurriles

Kritik an SZ Wirtschaftsredakteuren


Sie schäumen lieber Milch auf, als zu protestieren

Sind wir wirklich die Krisenkinder?

Zitat „Spiegel“: Sie sind die Deutschen von morgen, die 20- bis 35-Jährigen. Sie sind vernetzt, sie denken global, sie sind angepasst. Die Krise trifft sie härter als andere, aber nicht einmal das treibt sie zur Rebellion. Sie schäumen lieber Milch auf, als auf die Straße zu gehen…

(In Anlehnung an den Post über Studentenstreiks und die Spiegeltitelgeschichte)

Also, was sagt ihr dazu? Wie seht ihr eure Zukunft?

Rosig?

teddys

oder eher nich so?

teddy böse

Und warum protestieren wir nicht? Oder tun wir´s?

Fangt doch hier an und schreibt einen Kommentar!

Die Wut im Bauch

In Anlehnung an Kommentar „Ein wertvoller Streik“. SZ, 17. Juni 09, S. 4

Studenten protestieren, Studenten sind unzufrieden…

Der eine oder andere wird bei den Bildern, die heute entstehen werden beim Studentenstreik, ein leicht wohliges Gefühl bekommen und mit einem Lächeln auf den Lippen zu seiner Frau sagen: Schatz, wie bei uns damals. Als wir noch jung waren und gegen Krieg, Faschismus und Autoritäten.

Ach ja…schön war das. Ein Gefühl wie Schmetterlinge im Bauch, oder? So leicht verrucht. Ich hab schon was erlebt, ja, ja…

Die Gründe liegen nicht im Nirvana

Es muss wirklich schön gewesen sein als man noch stellvertretend für andere protestierte. Für einen Idealzustand.  Die Studenten von heute protestieren, weil die Umstände ihnen mehr und mehr die Luft zum Atmen nehmen. Die Gründe, auf die Straße zu gehen oder zu streiken, liegen nicht irgendwo im Nirvana. Nein, die meisten sehen die Gründe bereits  im Spiegel am Morgen, wenn einem ein blasses Gesicht mit dunklen Augenringen entgegenschaut. Hallo, ich kenn dich nicht, aber ich wasch dich trotzdem…

Blass und Augenringe – nicht vom Feiern

Blass und schwarze Augenringe – nicht weil man am Abend feiern war. Nein, weil man bis tief  in die Nacht gekellnert  hat und nun, nach vier Stunden Schlaf, in die Vorlesung muss. Tja, Herr Stoiber, die ein bis zwei Nachhilfestunden zusätzlich haben einfach nicht gereicht. Die meisten arbeiten jenseits von irgendwelchen Tarifgrenzen und versuchen nebenbei ein bißchen zu studieren. Scheine abarbeiten.

Aus Interesse in die Bib? Keine Zeit!

Zeitung lesen? Zwei am besten, eine nationale und eine internationale? Machste Witze, Spiegel-Online muss reichen. Und da am besten nur die Previews..

Literatur, Theater, Kunst? Würde gerne, in nem Monat stehen aber wieder Studiengebühren an. Ach Studium, wärest du doch nicht so teuer…

Sicher, es gibt die Semesterferien. So eine laaaange Zeit. Das stimmt schon. Da kann man sich Geld verdienen, da kann man Bücher lesen, alles wozu man so nicht kommt.

Wäre da nicht dieses andere Problem: Praktika, Hausarbeiten, und..kein Witz: Krankheiten. Immer mehr Studenten halten dem Druck nicht mehr stand. Das ständige Gefühl nicht genug zu tun und dann noch die Aussicht, vermutlich eh keinen Job zu bekommen wegen der Wirtschaftskrise, hinterlässt Spuren. Kleine und größere Burnouts müssen in den Semesterferien auskuriert werden.

Allerdings ist das nicht bei allen so. Da wären immer noch die Kommilitonen, die einfach Glück hatten. Warum? Entweder sehr arme oder sehr reiche Eltern. Erstere haben zum Teil so hohe Bafög-Sätze, dass sie gut davon leben können, letztere haben halt  Pappi. Das soll nicht abwertend sein. Aber es ist nachvollziehbar, dass es eine gewisse Wut im Bauch gibt, wenn man diese ausgeschlafenen, frischen Menschen neben sich sitzen hat, die überlegen, ob sie abends nicht noch zu der Kulturveranstaltung gehen sollen. Ich? Nein, ich muss arbeiten, sorry…Ach Mensch, nie gehst du mit!Man muss sein Studentenleben auch genießen!

Gerecht ist das nicht. Auf der anderen Seite: Die Studenten müssen heutzutage lernen, sich gut zu organisieren. Sonst bekommt man zwei Jobs und Studium nicht auf die Reihe. Das Problem:

Studium sollte Priorität haben. Sehr schwierig für Studenten, die versuchen, irgendwie ihr Leben zu finanzieren. Und nein, es geht  freilich nicht ums nackte Überleben. Die Bildungswelt ist noch keine Dritte-Welt, aber es geht um Existenzminima. Ganz ehrlich: Wenn Studenten ihre Zeit nicht mehr für das (Selbst-)Studium nützen können, oder, wie die Bachelorleute völlig überschütttet werden mit Pflichtveranstaltungen und sich nicht mehr ihren Interessen widmen können, wozu soll es die Hochschule denn noch geben? Lernen nach Plan, das ist gymnasiales Niveau.

Die Uni sollte die Entwicklung von Fachkräften fördern. Sie sollte neugierige, gebildete und forschende Menschen hervorbringen. Die Voraussetzungen dafür sind momentan absolut nicht gegeben. Von der Qualität der Lehre ganz zu schweigen. Aber das wäre schon wieder ein neuer Punkt. Auch einer, der Wut im Bauch verursacht.

Was sagt die Bildungsministerin dazu?




Stadtbild ohne Karstadt

Bamberger Altstadt

Bamberger Altstadt – Weltkulturerbe.

Für diejenigen, die wissen wollen, wo der Karstadt ist: Einfach mit dem Finger ein Stück über den rechten Rand des Bildes hinausfahren, dann nochmal nach oben.

Wie er aussieht? Fahren Sie einfach in die Ihnen nächstgelegene größere oder kleinere Stadt und sehen Sie sich den Karstadt dort an.

Pirates of the European

Quelle: blog.birni.eu

Quelle: blog.birni.eu

Inspiriert von: SZ, 9.Juni 2009, S.11: „Aller Welt Feind – Der bemerkenswerte Erfolg der Piratenpartei“

Ticker: +++ Piratenpartei erreicht großen Erfolg bei Europawahl +++In Schweden erreicht sie eine Quote von 7,1 Prozent und schickt nun eine 21-jährige Wirtschaftsstudentin nach Brüssel+++

Sonntag, 7.Juni, in einer Wahlkabine in Bayern:

Mmmh, was soll ich denn jetzt wählen? Hab ich doch eigentlich gar nichts zu tun mit dem Europa. Bauer bin ich nicht und sonst weiß ich nur darüber Bescheid, was die Abgeordneten in Brüssel NICHT tun. Nämlich anwesend sein. Scheint alles ja nich so besonders wichtig zu sein. Ich meine, die diskutiern doch auch über die Größe von Essiggurken, oder? Ich hab damit zumindest nichts am Hut. Wählen sollt ich aber schon gehen, ich meine, das ist doch irgendwo Bürgerpflicht. Aber bei der Bundestagswahl, ja, da mach ich mir dann schon bißchen mehr Gedanken.

Oh, da ist ja dann  schon Urlaub. Italien…2 Wochen..ich freu mich.  Mann, da werde ich mir wieder dieses fantastische Kalbfleisch genehmigen, OSSO BUCCO, wie jedes Jahr am ersten Abend. Und nen richtig guten Tropfen Wein dazu…Ach apropos, ich muss meinen Arbeitskollegen Dave unbedingt bitten, mir den guten Kalifornischen beim nächsten Mal mitzubringen.  Dann kann er mir auch die Geschichte erzählen, als sie ihn bei der Einreise für einen Taliban gehalten haben…ich hab ihm ja immer gesagt, er soll sich den Bart stutzen…

So, aber jetzt muss ich hier erstmal mein Kreuz machen. Oma wartet auch schon mit Kaffee und Apfelkuchen…mmh…nach einem französischem Rezept….

Was haben wir denn da?

Ach Gott, ne, die Hohlmeier haben sie ja wieder ausgegraben. Hat die nich schon als Kultusministerin versagt? Und war da nicht auch irgendwas mit Korruption? Da muss ich doch auch glatt wieder an Bella Italia denken…Also nein. Die fällt schon mal raus.

SPD? In der Wirtschaftskrise? Ich weiß nicht…Sozial is ja immer so ne Sache. Und der Steinmeier, der will ja ganz Deutschland mit Steuergeldern wieder aufpeppen. Gut, is jetzt eher national…aber is halt eine Partei, oder?

FDP? Also die Silvana Koch-Mehrin? Für was steht die eigentlich? Ne Schnecke is se ja…da würde ich mir dann auch durchaus mal so ne Debatte in Brüssel reinziehen…aber kann man die wählen? Und was habe ich denn dann davon?

Am besten ist immer noch was, womit ich nichts kaputt machen kann.

Piratenpartei? Das klingt doch irgendwie lustig. KLAR SOWEIT? Captain Jack Sparrow für Europa? …Oh, ich muss dieses Jahr unbedingt die  Segeltour machen, von der Bruno so geschwärmt hat…Adria…

Wenn mich nicht alles täuscht, wollen die doch eine Liberalisierung der Urheberrechte. Bin ich auch voll dafür…könnt ich mir ne CD zusammenstellen und die dann anmachen, wenn wir den Brenner passiert haben mit unserem Wohnmobil. Piu bella cosa non che…lalala…das klingt super. Wobei, vielleicht fliegen wir auch…hab da so ein ganz günstiges Angebot im Internet gesehen…Für eine  dreiköpige Familie Flug hin und zurück, Marco Polo, Venedig, nur 3 Euro, kannste jetzt nix sagen…Ach, ob Auto oder Flug, ihr kriegt den Zuschlag, Jungs…hehe…Piratenpartei…damit kann man gar nix falsch machen.Außerdem: Geschieht unseren Politikern mal ganz recht, dass eine Partei mit so einem Namen und Programm in ihren Gewässern rumschifft und anscheinend auch noch erfolgreich ist.Die tun ja sonst keinem was. Is ja jetzt nicht so, dass ich die Linke wählen würde, oder?

Wir lieben die Stürme, die eiskalten Wogen…hihi..würd ich gerne der Angie ihr Gesicht sehen, wenn die ins Parlament einziehen…aber das wird ja nicht passieren…

So, fertig. Jetzt noch den Zettel abgeben und ab zur Oma!

Lecker Apfelkuchen…


Streets of San Francisco

Inspiriert von SZ, 5.06.2009, Seite 7 „Vom Terminator zum Bankrott-Gouverneur“

Ticker: Kalifornien pleite – Arnold Schwarzenegger will  drastisch Sozialausgaben kürzen Haushaltsdefizit bei 24,3 Milliarden Dollar – sogar Haftstrafen sollen verkürzt werden

Have you seen the old man..in the closed-down market? schreibmaschine_bearbeitet-1

Als ich durch San Francisco lief, dachte ich nicht daran, sicherzugehen, dass ich Blumen im Haar trug.  Der Ohrwurm, der mich dauernd begleitete, war RalphMcTells „Streets of London“. Nicht weil diese zwei Städte sich ähnlich wären, ganz im Gegenteil. Nein, es waren die Obdachlosen an jeder Ecke.  Menschen im Bus, die dermaßen schlecht rochen, dass ich früher wieder ausstieg und den Rest zu Fuß ging. Selbst wenn ich mich schäme, das so sagen zu müssen. Aber der Geruch von Elend ist nicht zu ertragen, in jeder Hinsicht.  Menschen, die dahinvegetieren im Dreck der Straßen – in dem wahnsinnig cleanen Kalifornien.

Die öffentlichen Verkehrsmittel sind hier nicht nur Transportmittel, auch nicht Kult wie eben in London. Die Busse verbergen, was die Cable Cars nicht ahnen lassen…Pure Armut und Elend in einer Stadt, die für Flower Power und Schöne Welt steht. Fisherman’s Wharf – Vergnügungsstätten. Etliche Fernsehserien erzeugen genau dieses Bild.  Das düsterste, das es hier gibt, ist wohl „Charmed“ – aber auch nur weil es da um Hexen geht.Um schöne saubere Hexen natürlich.

Why lie?I need beer.

Zurück auf den Straßen von San Francisco. Why lie? I need beer. Dieses Schild lehnte an den Füßen eines alten Manns, der keine Zähne mehr im Mund hat und mit einem Pappbecher von Starbucks bettelte. Touristen lachten über sein Schild,  ich fand es zuerst auch witzig…wollte ein Foto machen. Bis ich aufgeklärt wurde, dass das nur eine neue Masche sei. Die Homeless hätten erkannt, dass die Touristen darauf anspringen. Der ist wenigstens ehrlich…dem geb ich gerne mein Geld.

Fand ich gut.

Ein Spiel mit Vorurteilen und Klischees der Menschen, ein bißchen wie es in Dritte-Welt-Ländern geschieht.

…In our winter city,
The rain cries a little pity
For one more forgotten hero
And a world that doesn’t care…

Ich habe eine Münze in seinen Becher geworfen.

Kalifornien in finanzieller Krise